30/10/2026
✨ Kunstwerk der Woche ✨
Agony, 1963. Colette Omogbai. Ölfarbe auf Masonit, 69 × 50.5cm. Privatsammlung Iwalewahaus/DEVA, Universität Bayreuth.
Auf dunklem Hintergrund erstreckt sich eine grelle Gestalt mit annähernd menschlichen Zügen. Spitze weisse Zacken suggerieren einen offenen Mund und gebleckte Zähne. Ein Auge ist rot, das andere weiss und konturlos. Die Gliedmassen lassen sich nicht eindeutig ausmachen, jedoch erscheinen sie unnatürlich abgewinkelt und verkrümmt. Die Linienführung ist klar und kantig, der pastose Farbauftrag verleiht dem Bild eine grobe Textur. Neben dem satten Orangeton der Haut und dem, was sich als Bekleidung lesen lässt, dominiert ein kräftiges Rosa die Körpermitte, von wo aus die Extremitäten in alle Bildecken streben und eine zerrende Bewegung entsteht.
Colette Omogbai (*1942, Uzebba, Nigeria) ist eine Vorreiterin der abstrakten Malerei in Nigeria, und vertritt das, was Künstler und Kunsthistoriker Chika Okeke-Agulu als Postcolonial Modernism bezeichnet. Die für den Begriff kennzeichnende Dekade der politischen Unabhängigkeit in Nigeria liegt zwischen 1957 und 1967, setzt also kurz vor Ende der kolonialen Fremdbestimmung ein und endet mit dem Bürgerkrieg, der 1967 folgt.
Omogbais Gemälde wurde 1963 im Mbari Artists and Writers Club in Ibadan ausgestellt, einem bedeutenden kulturellen Zentrum abseits des Hochschulbetriebs, die Künstlerin zu dem Zeitpunkt 21 Jahre alt. Agony strotzt vor Intensität und behauptet sich nicht nur gegen kritische Stimmen der Zeit, sondern steht emblematisch für ein wachsendes Selbstverständnis moderner KünstlerINNEN in einem Framework der post-/dekolonialen Moderne.
Abbildung:
©️ Colette Omogbai
©️ Archives of Women Artists, Research and Exhibitions
Geschrieben von Anna Glünz