Thomas Waldkircher als angehender Gräzist

Thomas Waldkircher als angehender Gräzist Kontaktinformationen, Karte und Wegbeschreibungen, Kontaktformulare, Öffnungszeiten, Dienstleistungen, Bewertungen, Fotos, Videos und Ankündigungen von Thomas Waldkircher als angehender Gräzist, Hochschule und Universität, Borsteler Chaussee Nr. 5, Hamburg.

Der im letzten Beitrag zu den "Physika" des Aristoteles erwähnte Wiederentdecker Scaliger ist der wichtigste Philologe d...
25/04/2025

Der im letzten Beitrag zu den "Physika" des Aristoteles erwähnte Wiederentdecker Scaliger ist der wichtigste Philologe des 16. Jahrhunderts. Auf der untenstehenden Seite in der "Deutschen Biographie" lässt sich sein erstaunlicher, fast unglaublicher Lebenslauf auf spannende Weise nachvollziehen.
https://www.deutsche-biographie.de/sfz77847.html

Deutsche Biographie

20/04/2025

Wie ist die Veröffentlichungsgeschichte dieser Bruchstücke der "Physika". Erste Wiederentdeckungen stammen aus dem frühen 16. Jahrhundert. Die Sammelausgabe von Scaliger blieb zu dieser Zeit aber noch ungedruckt und beruhte wohl vorwiegend auf Abschriften.

Neuerdings ist nun allerdings der sogenannte "Straßburger
Papyrus" hinzugekommen, der erst 1992 überhaupt als Schrift des Empedokles identifiziert wurde. Der Papyrus-Rest war bereits im Jahr 1905 über das "Deutsche Papyrus-Kartell" in die Papyrussammlung der damaligen Kaiserlichen Universitäts- und Landesbibliothek zu Straßburg gelangt. In der Folge wurden nun zum ersten Mal in der Neuzeit Bruchstücke einer antiken Buchrolle bekannt, die in direkter Überlieferung (d.h. in integraler Abschrift) ein Hauptwerk vorsokratischer Philosophie enthielt.

Die Buchausgabe der Forschungsergebnisse erfolgte 1999:

Martin / Primavesi 1999: Alain Martin / Oliver Primavesi, L'Empedocle de Strasbourg
(P. Strasb. gr. Inv. 1665-1666). Introduction, edition et commentaire. With an
English Summary, Strasbourg / Berlin /New York 1999.

So langsam nähert sich das neue Semester in München - und damit  die lange Pause nach den ersten vier Semestern Gräzisti...
18/04/2025

So langsam nähert sich das neue Semester in München - und damit die lange Pause nach den ersten vier Semestern Gräzistik in Hamburg. Aus meinem bisherigen Studium der Theaterwissenschaft und Skandinavistik in München wird nun ein Doppelstudium mit zwei Hauptfächern. Im zweiten Studium (5. Semester) wird dabei die Gräzistik das Hauptfach, das im Nebenfach durch Philosophie ergänzt wird.

Damit auch gleich klar ist, wie sehr die beiden Fächer zusammengehören, wie sehr die Denkweise in der griechischen Sprache mit dem Entstehen der Philosophie zusammengehört - werden die ausgewählten Kurse sich vor allem mit der Herausgabe der Schriften des Empedokles beschäftigen, also einem der Vorsokratiker.

Die Vorsokratiker (auch die prä-sokratischen Philosophen genannt) meint all die antiken griechischen Philosophen, die vor Sokrates lebten oder nicht von dessen Philosophie beeinflusst waren. Sie gelten als die Begründer der westlichen Philosophie und beschäftigten sich mit den Fragen nach der Natur, dem Sein und der Welt.

Prof. Dr. Oliver Primavesi von der LMU stellt dabei aus dem "Trümmerfeld der Vorsokratikerüberlieferung" vor allem das erste Buch der "Physika" des Empedokles heraus, da sich von diesem Einzelbuch des Empedokles bei weitem die meisten sicher dem Autor zuweisbaren Fragmente erhalten haben.

Dabei gehört Empedokles in den zahlreichen Ausgaben der "Fragmente der Vorsokratiker" noch zu den Philosophen, von denen die längsten rekontruierbaren Schriften erhalten sind. Wir haben es aber nie mit Ganztexten zu tun, sondern immer mit einer Ansammlung von einzelnen Satzfetzen oder einzelnen Worten, deren Zusammenhang erst konstruiert oder entdeckt werden muss.

Die Fragmente der "Physika" wurden als Handschrift auf einer zerfallenen Papyrusrolle zwar schon vor mehr als 100 Jahren gefunden. Doch mit den ca. 50 Bruchstücken beginnt eben erst die Arbeit des sorgfältigen Forschers. Mit dem untenstehenden Bild wird deutlich, wie das Schriftstück in Einzelteilen vorliegt:

Diese Datei und die Informationen unter dem roten Trennstrich werden aus dem zentralen Medienarchiv Wikimedia Commons eingebunden.

Letzte Woche kam aus dem Kreis hier die Frage:Lieber Herr Waldkircher, ist dieser Satz korrekt?Oὐ φέρει κόσμον γυναιξίν....
04/12/2022

Letzte Woche kam aus dem Kreis hier die Frage:
Lieber Herr Waldkircher, ist dieser Satz korrekt?
Oὐ φέρει κόσμον γυναιξίν.

Das habe ich gern nachgesehen und meine Antwort war:
Es gibt eine ähnliche Formulierung von Sophokles in seinem Stück "Ajax" oder "Der rasende Ajax" (Original: Αἴας), aus dem Vers 293:
γύναι, γυναιξὶ κόσμον ἡ σιγὴ φέρει.

Der Zusammenhang im Stück lautet übersetzt so:
TECMESSA: Sie werden alles hören, was passiert ist, da Sie beteiligt sind. In tiefster Nacht, als die Abendlaternen nicht mehr brannten, ergriff er ein zweischneidiges Schwert und wollte zu einem ziellosen Streifzug aufbrechen. Dann ermahnte ich ihn und sagte: „Was machst du da, Ajax? Warum macht ihr euch unaufgefordert zu diesem Zug auf, weder gerufen durch einen Boten, noch gewarnt durch eine Posaune? Tatsächlich schläft jetzt die ganze Armee.“ Aber er antwortete mir schroff mit diesem abgedroschenen Spruch: „Frau, Schweigen ziert die Frau.“ Und ich verstand, was er meinte, und ließ davon ab, aber er eilte allein hinaus.

Der also schon in der Quelle als etwas "abgedroschen" bezeichnete Spruch darin wäre demnach:
γύναι, γυναιξὶ κόσμον ἡ σιγὴ φέρει

Wörtlich übersetzt hieße das:
"Frau! Die Frau ziert das Schweigen"
oder etwas weiter ausholend:
"Frau! Es ziert die Ordnung (den Kosmos) der Frauenwelt das Schweigen"

Einer der Schwerpunkte in diesem Semester ist das Römische Epos. Wer lange nicht mit der lateinischen Sprache zu tun hat...
04/12/2022

Einer der Schwerpunkte in diesem Semester ist das Römische Epos. Wer lange nicht mit der lateinischen Sprache zu tun hatte, findet hier eine einfache Definition des sogenannten "Carmen epicum", also des "Epischen Gedichts". Mehr zu dessen Geschichte kann man auf der allgemeinen Seite über die "Poësis epica" lesen, also über die Gesamtheit der "Epischen Dichtung".

Da heißt es: "Est genus poesis in qua gesta hominum vel verorum vel fictorum narrantur, praecipue ex tempore remoto.

Will sagen: "Es ist eine Gattung der Poesie, in der die Taten von Menschen, ob real oder fiktiv, erzählt werden, insbesondere aus einer entfernten Zeit.

Aus der "entfernten Zeit" oder "fernen Zeit" also ...

Wer das wieder verstehen und noch mehr in einem einfachen Latein lesen will, findet die Seite hier:

Poësis epica (a verbo Graeco ἔπος, -εος 'verbum, carmen') est genus poesis in qua gesta hominum vel verorum vel fictorum narrantur, praecipue ex tempore remoto. Saepe in his fabulis dei in tellurem descendunt, ut se inter res humanas interponant. De terris Mediterraneis, clarissima carmina ...

21/03/2022

Hier zur Ergänzung noch ein Beitrag zum "Handbuch der griechischen Literatur" in 3 Bänden, der die Wichtigkeit dieses Handbuchs als zentraler Referenz hervorhebt.

Während meines Aufenthalts in Freiburg habe ich wohl am Freitag die Gelegenheit, die Bibliothek des Seminars der Griechi...
21/03/2022

Während meines Aufenthalts in Freiburg habe ich wohl am Freitag die Gelegenheit, die Bibliothek des Seminars der Griechischen und Lateinischen Philologie an der Universität Freiburg zu besuchen, an der mit Prof. Bernhard Zimmermann der wichtigste Spezialist für die Komödien des Aristophanes lehrt. Er ist auch Herausgeber des sehr ergiebigen Nachschlagewerkes "Handbuch der griechischen Literatur der Antike" in 3 Bänden, das im Verlag C. H. Beck erschienen ist. Auf der unten genannten Seite der medias ohg ist eine kurze Darstellung der Geschichte des Seminars sowie eine Übersicht über aktuelle Forschungs- und Editionsprojekte zu finden. Prof. Zimmermann arbeitet aktuell u. a. an einer "Geschichte des antiken Dramas", die ebenfalls bei Beck erscheinen wird.

Se Herbst 2019 haben die beiden Leiter der "medias ohg verlag und produktion" Anja Pirling und Thomas Waldkircher ein Studium der Klassischen Philologie begonnen. Neben ihrem Hauptstudienort Hamburg nehmen Sie auch in Freiburg und München an Veranstaltungen teil. Auf dieser Seite wird das Seminar f...

Ab heute sind 2 Bände der großen Platon-Ausgabe des Regensburger Gräzisten Ernst Heitsch über unseren Shop erhältlich. D...
30/10/2021

Ab heute sind 2 Bände der großen Platon-Ausgabe des Regensburger Gräzisten Ernst Heitsch über unseren Shop erhältlich. Die Bande "Phaidros" und "Apologie des Sokrates" sind allerdings schon für die genauere Beschäftigung gedacht, da sie neben der Übersetzung des Altphilologen Prof. Ernst Heitsch von der Universität Regensburg auch einen genauen Kommentar enthalten - aber zum Beispiel keinen griechischen Originaltext, den man sich noch daneben legen muss. Der Apologie begegnet man öfter, den Phaidros aber sollte man entdecken. Es ist vielleicht einer der schönsten antiken Texte über die Seele überhaupt.

Platon Werke.Band I, 2Übersetzung und Kommentar. Kurt Sier (Hg.), Carl Werner Müller (Hg.), Kurt Sier (Hg.)Vandenhoeck & Ruprecht

Neben Prof. Bernhard Zimmermann an der Universität in Freiburg, den aufmerksam Lesenden auf diesen Seiten bereits als Ar...
29/08/2021

Neben Prof. Bernhard Zimmermann an der Universität in Freiburg, den aufmerksam Lesenden auf diesen Seiten bereits als Aristophánes-Experten kennenlernen konnten, gibt es auch an der LMU in München einen Prof. Dr. Martin Zimmermann, der Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte ist. Er hat gerade einen Text veröffentlicht, der den Titel "Im Angesicht des Unterganges" trägt, und sich mit Aufbruchstimmung und Krisenbewusstsein in der griechischen Polis beschäftigt. Dieser Artikel ist hier ganz zu lesen:
https://www.lmu.de/de/newsroom/newsuebersicht/news/im-angesicht-des-untergangs.html

Einen guten Start in die Woche,

Ihr Thomas Waldkircher

„Die Gesellschaft war in ständiger Bewegung": Althistoriker Martin Zimmermann über Aufbruchsstimmung und Krisenbewusstsein in der griechischen Polis

Heute im Blick: die "Apologie des Sokrates" als Text für das Theater.
09/08/2021

Heute im Blick: die "Apologie des Sokrates" als Text für das Theater.

This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author's life plus 100 years or fewer.

Heute im Blick: die "Apologie des Sokrates" als Text für das Theater.Hierzu folgenden Text aus der deutschen Wikipedia z...
09/08/2021

Heute im Blick: die "Apologie des Sokrates" als Text für das Theater.

Hierzu folgenden Text aus der deutschen Wikipedia zu der Art, in der Sokrates zu einer Entscheidungsfindung kam:

Viel Beachtung findet in der Forschung auch das Verhältnis des platonischen Sokrates zu seinem Daimonion und zum Orakelspruch. Erklärungsbedürftig ist der Gegensatz zwischen der Berufung auf eine göttliche Offenbarung, für deren Wahrheitsanspruch keine Begründung vorliegt, und der Autonomie des denkenden Subjekts, das sich aus eigener Kraft um rational fundierte Einsicht bemüht. Ebenso besteht ein Gegensatz zwischen der sokratischen Erkenntnis der eigenen Unwissenheit („Ich weiß, dass ich nichts weiß“) und der Vorstellung eines aus göttlicher Quelle stammenden und daher gesicherten Wissens. Die Ausführungen des Sokrates in der Apologie erwecken den Eindruck, dass er göttliche Instruktionen erhielt, für deren Urheber er offenbar Apollon hielt, und dass diese Wissensquelle ihm eine religiöse Gewissheit verschaffte, die mit seiner philosophischen Unwissenheit kontrastierte. Eine blinde Befolgung von Anweisungen einer übermenschlichen Instanz widerspräche aber dem Anspruch des Philosophen, nur aufgrund einsichtiger Begründungen Entscheidungen zu fällen und zu handeln. Zur Erklärung wird in der Forschungsliteratur hervorgehoben, dass weder das Orakel noch das Daimonion positive Anweisungen gab. Das Orakel beantwortete nur eine Frage nach der Weisheit unter den Menschen und das Daimonion sprach nur Warnungen vor einzelnen Schritten aus. Die Überzeugung des Sokrates, er führe mit seiner philosophischen Aktivität eine göttliche Anweisung aus, konnte somit nicht mit einem direkten Befehl der Gottheit begründet werden. Vielmehr war sie das Resultat einer Folgerung, die der Philosoph aus dem Orakelspruch und verschiedenen mutmaßlichen Anzeichen des göttlichen Willens zog. Die Folgerung stimmte völlig mit dem überein, was er von sich aus für richtig hielt. Sein Handeln war also das Ergebnis seiner eigenen Überlegungen. In der neueren Forschung wird daher betont, dass sich der platonische Sokrates von seiner eigenen Urteilskraft leiten ließ. Er unterwarf die Hinweise, denen er göttlichen Ursprung zuschrieb, im Zweifelsfall philosophischer Untersuchung und interpretierte sie im Licht seiner diskursiv gewonnenen Einsichten. Ein innerer Konflikt entstand dabei nie, da der erschlossene Wille der Gottheit stets mit den Ergebnissen der philosophischen Reflexion übereinstimmte oder ihnen zumindest nicht widersprach.[

This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author's life plus 100 years or fewer.

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