Mit dem Jahr 1619 beginnt die kontinuierlich dokumentierte Geschichte der Universitätsbibliothek Würzburg als zentrale universitäre Einrichtung: Der Beginn einer langen Geschichte, und tatsächlich hat Würzburg damit die älteste Universitätsbibliothek in ununterbrochener örtlicher Kontinuität in Bayern und eine der traditionsreichsten in Mitteleuropa.
Die Universitätsbibliothek Würzburg steht in Unterfranken für Forschung und Lehre sowie als Regionalbibliothek für die Bewahrung und Pflege des literarischen Erbes. Mit über 3,5 Millionen Medien, jährlich über zwei Millionen Bibliotheksbesuchen, einer Vielzahl von Informationsservices, innovativen Angeboten wie dem Digitalisierungszentrum oder dem Universitätsverlag, ist die Universitätsbibliothek die größte Informationsdienstleisterin der Region – nicht nur für Universitätsangehörige, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger.
Bei der Neugründung der Universität 1582 gibt es noch keine Bibliothek für alle Studierenden und Lehrenden.
Erst 1619 ruft Fürstbischof Johann Gottfried von Aschhausen die “Bibliotheca Academica Godefridiana” ins Leben. Diese ist im Renaissancegebäude der Alten Universität in der Domerschulstraße untergebracht.
1631-1634: 30-jähriger Krieg
Teile des Gründungsbestandes werden im Dreißigjährigen Krieg zusammen mit der berühmten Hofbibliothek des Fürstbischofs Julius Echter als Kriegsbeute nach Schweden und England verbracht.
1673: Erster Katalog der Universitätsbibliothek
Auf Anordnung des Fürstbischofs Johann Hartmann von Rosenbach entsteht der “Catalogus librorum Bibliothecae Academicae Herbipolensis” – ein alphabetischer Fachgruppenkatalog. Dieser erleichtert die Suche nach einem der darin verzeichneten 2119 Bänden. Die meisten Bücher sind theologische und geschichtliche Werke sowie neulateinische Literatur.
1724: Umzug in den prächtigen Arkadensaal
Balthasar Neumann entwirft für die wachsende Büchersammlung einen neuen Bibliothekssaal.
Ab Mitte des 18. Jahrhunderts findet auch Literatur der Aufklärung, Reiseliteratur und aktuelle französische Literatur ihren Platz in der Bibliothek.
1803: Säkularisation
Die Säkularisation beschert der Bibliothek eine wahre Bücherflut, als die Kloster- und Stiftsbibliotheken des mainfränkischen Raumes aufgelöst und deren wichtigste Bestände an die Universitätsbibliothek abgegeben werden.
Die Bibliothek wird damit Erbin der Buchkultur im unterfränkischen Raum, die bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht.
1811: Pläne für ein eigenes Gebäude
Durch die Säkularisation ist der Gesamtbestand auf 25500 Bände angewachsen. Hierfür ist in den bestehenden Bibliotheksräumen kein Platz und es werden verschiedene Pläne für einen Umzug erstellt, aber leider auch wieder verworfen.
Die Bücher der Universitätsbibliothek werden zum Teil bei schlechten Bedingungen in der Neubaukirche gelagert. So nisten zum Beispiel Tauben zwischen den Büchern.
1840: Pflichtexemplarbibliothek für Unterfranken
Seit 1840 bekommt die Universitätsbibliothek jedes Buch, jede Zeitschrift und jede Zeitung, welche in Unterfranken veröffentlicht wird. Wir haben die Pflicht, diese für alle Zeit aufzubewahren. Sucht doch mal in unserem Katalog nach dem Jahresbericht Deiner Schule oder dem Mitteilungsblatt Deines Heimatortes.
Umzug innerhalb der Alten Universität
Der räumlichen Enge begegnet man durch einen inneruniversitären Raumtausch: Die Universität zieht 1896 in ihren repräsentativen Neubau am Sanderring, die Bibliothek richtet sich im alten Bau der Domerschulstraße neu ein.
Um 1920 hat die Bibliothek eine halbe Million Bücher.
1945: Bombenangriff auf Würzburg
Am 16. März 1945 wird ein Großteil der Stadt Würzburg bei einem Bombenangriff zerstört, darunter auch die Universitätsbibliothek, deren Gebäude völlig ausbrennt und deren Bestände, soweit nicht vorher ausgelagert, zu 80% vernichtet werden.
1945-1957: Wiederaufbau
Dieser größten Katastrophe in der Geschichte der Bibliothek folgt eine Epoche des mühevollen Wiederaufbaus, was das Gebäude, aber auch die Ergänzung und Erweiterung der Buchbestände angeht.
Erst 1957 ist die Wiederherstellung der Räume in bescheidenem Rahmen abgeschlossen: Es gibt einen Lesesaal mit 80 Arbeitsplätzen sowie einen Lesesaal für die Benutzung von Handschriften und Zeitschriften.
1969: Gesamtkatalog
Um einen besseren Überblick über die Bücher in allen Institutsbibliotheken zu erhalten und den Zugang zu erleichtern, entsteht der Gesamtkatalog.
Dieser Katalog umfasst im ersten Jahr 445 000 Katalogkarten.
1974-1981: Neubau der Universitätsbibliothek
Der sprunghafte Anstieg der Studierendenzahlen und der neuerworbenen Literatur macht einen Neubau für die Zentralbibliothek notwendig.
Nach der Grundsteinlegung auf dem neu gegründeten Campus Am Hubland am 18. Juni 1974 erfolgt am 15. Juli 1981 der Umzug in die vom Architekten Alexander Freiherr von Branca geplante Bibliothek.
1995: Weltweit zugänglicher Online-Katalog
Seit 1995 kann man einen Großteil des Bibliotheksbestandes mit dem Online-Katalog durchsuchen.
Diesen technischen Wandel erkennt man auch an der Halle der Zentralbibliothek. Statt Zettelkatalogen und Mikrofichegeräten findet man dort nun Computer zur Literaturrecherche.
Seit 2003: Digitalisierung
2003 digitalisiert die Universitätsbibliothek mit der Fries-Chronik das erste Buch aus ihrem Bestand.
Dank Fördergeldern des Bayerischen Wissenschaftsministeriums gelingt es 2004/05, den ersten eigenen hochwertigen Farbscanner in Betrieb zu nehmen. Seitdem wird das Digitalisierungszentrum der Universitätsbibliothek weiter ausgebaut.
2019: 400-jähriges Jubiläum
Mit einem umfangreichen Programm feiert die Bibliothek ihr 400-jähriges Bestehen.
Wir würden uns freuen, Euch bei einer der zahlreichen Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.