Was bedeutete es ursprünglich, abgebrüht zu sein und ein Auge zu riskieren? Und warum ruft man bedauernd oje!, wenn etwa ein berechnender Veranstalter das Handtuch wirft, indem er das angekündigte Popkonzert wieder abbläst? Die Antworten darauf sowie auf viele ähnliche Fragen zur Herkunft bildhafter Ausdrücke in unserer Alltagssprache gibt die sprachpädagogische WortSchätze-Initiative des Institut
s für Germanistik an der Karl-Franzens-Universität Graz, als offizielles Drittmittelprojekt (nach einer Anschubfinanzierung durch das Land Steiermark) gefördert vom Rektorat der KFUG sowie unterstützt von IMST. Im Zentrum dieses Angebots, das Germanistik- Studierende und -Absolvent/innen seit dem Schuljahr 2006/07 steirischen Schulen und nun auch Bildungseinrichtungen in ganz Österreich machen, indem sie aktuelle Begriffe und Wendungen unserer metaphorischen Alltagssprache aus sechs zentralen Bildspendebereichen erläutern, stehen mehrere wichtige Bildungsziele eines modernen Deutschunterrichts, nämlich dass die Lernenden ein Gefühl für Sprache entwickeln, bewusst Sprachmaterial sichten und Sprache überlegter einsetzen, Lust bekommen, dem Facettenreichtum der deutschen Sprache nachzuspüren, aktiv erkennen, dass Worte mit Denkstrukturen verbunden sind und dass die Sprache der Medien und des Miteinanders bestimmt sind von diesen Zusammenhängen. Aufbauend auf einem Landesprojekt von Prof. Wernfried Hofmeister und auf mehreren von ihm erfolgreich betreuten, datenbankgestützten Diplomarbeiten, sollen übertragene Ausdrücke aus dem Bereich des Wehrhaften (etwas im Schilde führen), Sportiven (Hürdenlauf), Religiösen (zu Kreuze kriechen), Musikalischen (taktvoll sein), Nahrhaften (Salamitaktik) und des Mathematischen (Pi mal Daumen) multimedial aufbereitet in den Schulklassen zur Sprache kommen. Diese Initiative ist für alle Schulformen und Altersgruppen gedacht, von der Volksschule bis hin zur Erwachsenenbildung, denn je nach Bedarf können die Themenzugänge stärker spielerisch der reflektorisch gestaltet werden. Die Präsentationen und Materialien, welche die Vortragenden in die Schule mitbringen, sind so vielfältig, dass sämtliche Schüler/innen von den ‚Schätzen’ unserer Sprache profitieren und ihr sprachliches und sprachtheoretisches Repertoire erweitern können: So leistet die Arbeit mit martialischen WortSchätzen einen Beitrag zur Friedenserziehung, insbesondere zur interkonfessionellen Toleranz mahnt die Betrachtung unseres religiös geprägten Sprachguts, eine kritische Sicht auf die moderne Leistungsgesellschaft ermöglichen sportive Sprachelemente, viele musikalische WortSchätze sind wiederum geeignet, Aspekte kooperativer Handlungsmuster zu thematisieren, Metaphern mit einem Nahrungsbezug sind Ausdruck unserer Leib-Geist-Kultur, und (scheinbar) nach Exaktheit streben mathematische Bilder. Fächer: Deutsch, aber auch fächerübergreifend Religion, Geschichte, Musik, Sport, Ernährungslehre, Mathematik sowie – kontrastiv – diverse Fremdsprachen!