14/04/2025
Die Sicht von "außen"
In ihrem Buch erzählt Leokadia Justmann ihre ersten Eindrücke von Hötting:
"Jan erwartete mich nicht am Bahnhof. Er hatte mir eine genaue Wegbeschreibung in einem Brief geschickt, und obwohl ich mich in einer unbekannten Stadt befand, bewegte ich mich mit Leichtigkeit fort und fand bald dern Weig in den Stadtteil, wo Jan seine Unterkunft hatte.
Hötting lag auf dem Hang und es gab dort ein Kino, eine Polizeistation und Geschäfte. Es bestand aus ein paar Straßen, die am Fuß des Berges begannen und sich langsam immer höher und höher schlängelten. Ich musste fast ganz hinaufgehen, um zur Schönen Aussicht, einem kleinen Gasthaus mit Pension zu kommen. Der Weg hinauf wurde immer steiler, und meine Füße taten mir weh, als ich auf der harten Straße ging. Aber dennoch war es schön durch die Stille des Waldes zu gehen, den Berg hinauf und um ihn herum und hinunter zu sehen auf sanfte Wiesen mit winzigen Scheunen und Hütten.
Endlich kam ich zu einem Zaun und einem großen Schild mit dem Namen des Gasthauses: Schöne Aussicht.
"Da ist es", sagte ich zu mir selbst, während mein Atem ruhiger wurde und öffnete eine kleine quietschende Türe. In der Mitte eines Hinterhofs sah ich einen Brunnen und daneben einen halbnackten, vornübergebeugten Mann, der vermutlich seine Kleidung in einem großen Kübel wusch. Er bemerkte mich nicht, weil er mit dem Rücken zum Eingang stand. Ich ging auf ihn zu und räusperte mich um auf mich aufmerksam zu machen, und fragte den Fremden auf Deutsch: Können Sie mir sagen, wo ich Jan Gralinski finde?"
Der Mann richtete sich auf. Er war klein, aber hatte breite Schultern und seine Haut war fast olivfarben. Sein dunkelschwarzes Haat fiel in Löckchen auf seine durchfurchte, braun gebrannte Stirn. Er blickte mich neugierig an. Ich wiederholte meine Frage höflich. Er machte eine hilflose Geste mit der Hand und sagte: "Ich nicht verstehen... ich italiano, signorina."
"Ich suche meinen Bruder, Jan. Er ist Pole.
"Ein Funken des Wiedererkennens blitzte in seinem Gesicht auf.
"Oh, capisco, Bruder polacco." Er führte mich zu einer Baracke.... "
"Brechen wir aus!", Leokadia Justmann, 2025, Tyrolia Verlag Berge und Kultur - Seiter 142/143
Alleine dieser kleiner Auszug zeigt, wie lebendig Leokadia ihre Fluchtgeschichte nach dem Krieg zu Papier brachte.
Ein wirklich empfehlensertes Buch, das einen Blick von außen, einen Blick der anderen auf das Innbruck während des Krieges zeigt.
Sehr empfehlenswert ist auch die Graphic Novel, die ich parallel immer wieder anschaue. Auch der Besuch der Ausstellung ist sehr lohnend. Er ist kostenlos währen der Amtszeites des Landhauses.