24/08/2026
HOHE TAUERN: SENSATIONELLE SEGELFLIEGER-FOTOS (15. 08.)!
Liebe Freunde von Skifahren, Schnee und Gletscher,
anbei wieder neue sensationelle Fotos, aufgenommen aus dem Segelflugzeug von (c) Simon Lemmerer – VIENTO.
Vielen Dank an die Community für diesen unerschöpflichen Pool an fantastischen Fotos. :)
Foto 1: Nördliche Glocknergruppe, im Bereich der Kraftwerksgruppe Kaprun. Wir sehen den Stausee Moserboden und von links die Klockerin (3.422 m), das westliche und östliche Bärenkopfkees, die Bärenköpfe (Großer Bärenkopf: 3.396 m) und das Kärlingerkees. Dieses hat einen Firnübergang zur Pasterze, nämlich das Riffltor (3.094 m). An dieser Seehöhe sieht man, wie niedrig das Nährgebiet der Pasterze im Gegensatz zum Schlatenkees am Venediger ist und warum die Pasterze im aktuellen Klima total K.o. ist.
Wir sehen auch den zweiten Übergang vom Kärlingerkees zur Pasterze, weiter links (östlich), nämlich die Führerscharte.
Die Gletscherzungen sind allesamt hauchdünn, das heißt, wenn wir kein rasches Ende der heißen Sommer erleben, werden wir blitzartige weitere Rückzüge der Gletscher erleben.
Foto 2: Wir sehen eine Nahaufnahme vom Hocheiser (3.206 m) mit seinem nordseitigen "Oberen Hocheiserkees". Dieses Kees ist im Winter ein traumhafter Hang zum Skifahren. Es schaut aber leider – wenig überraschend – fürchterlich aus. Wenig überraschend ist auch, dass vor allem der Gratbereich am schnellsten abtaut, obwohl er am höchsten liegt. Das Problem ist, dass Gratbereiche im Winter häufig blankgefegt werden und deshalb besonders vulnerabel gegenüber Hitzesommern sind. Dieser Firngrat zum Gipfel des Hocheiser ist unmittelbar vor dem K.o., wenn nicht noch ein Wunder passiert. Total k.o. ist bereits das Schwarzkarlkees (bzw. auch Unteres Hocheiserkees genannt), das bereits so gut wie abgetaut ist. Links vom Hocheiser sehen wir das Kärlingerkees, die Hohe Riffl (3.338 m) und das "Obere Rifflkees" (auch bekannt als die Totenlöcher). Rechts vom Hocheiser die ÖBB-Kraftwerkskette im Stubachtal mit Rudolfshütte und dem fast schon weggetauten Sonnblickkees mit der Granatspitze. Im Hintergrund von Foto 1 und 2 natürlich der Großglockner. Eh klar! :-)
Foto 3: Nahaufnahme Wiesbachhorn (3.564 m). Alleine über das Wiesbachhorn könnte man ganze Romane schreiben. Seine Nordwestwand war einst die legendärste und berühmteste Eiswand der Ostalpen. 1924 erstbestiegen vom "Eis-Papst" Willo Welzenbach aus München. Der Eishaken bzw. Vorläufer der Eisschrauben wurde dort erfunden. Diese sagenhafte Eiswand ist seit mittlerweile vielen Jahren völlig trocken. Kein einziges Eispartikel hat überlebt. Auch der berühmte Kaindlgrat, der vom Heinrich-Schweiger-Haus zum Wiesbachhorn führte, ist weg. Einst nannte man ihn den "Biancograt von Österreich", heute ist alles weg. Könnt ihr gerne mal googeln, es gibt viele alte Fotos vom Wiesbachhorn.
Der Gletscher unterhalb der Nordwestwand ist das Wielinger Kees. Ein eher seltsamer Gletscher, weil er kein klassisches Nährgebiet hat, sondern von der Lawinentätigkeit ernährt wird. Rechts vom Wiesbachhorn sehen wir das Kaindlkees mit der Wielingerscharte, das ist der Firnübergang zum Teufelsmühlkees, das in Richtung Fuscher Tal fließt. Rechts der Wielingerscharte der Bratschenkopf, und der markante Berg rechts davon ist die Klockerin (3.422 m). Sein lawinenernährtes Klockerinkees ist praktisch abgetaut. Es existiert nur noch auf den Landkarten. Unten der Stausee Moserboden.
Foto 4: Der Großvenediger in voller Pracht, Ansicht von Norden. Links Venedigerkees mit Venedigerscharte. Rechts unterhalb des Gipfels das Sulzbacherkees. Man sieht, es gibt an den Venedigergletschern auch im "Katastrophenjahr 2026" noch Altschneerücklagen, aber ihre Dimension ist sehr gering. Im aktuellen Klima könnten die Gletscher rund um den Venediger zwar "überleben", aber in mickriger Größe. Wir sehen, wie hauchdünn das Sulzbacherkees unten geworden ist. Es wird in den nächsten Jahren, wenn sich der Trend der heißen Sommer fortsetzt, blitzschnell zurückschmelzen.
Foto 5: Nahaufnahme Venedigerkees und Venedigerscharte. Das Venedigerkees ist immer noch dick und fett, spaltendurchsetzt, und es hat Altschneereserven im Bereich der Venedigerscharte und unterhalb des Gipfels, begünstigt durch Lawinenschnee. Ebenfalls noch richtig fett der oberste Bereich des benachbarten Sulzbacherkees. Diese beiden Gletscher werden nicht so schnell abtauen, aber sie werden sehr klein werden. Wir dürfen gespannt sein, ob die Venedigerscharte in den nächsten 20 Jahren abtauen wird. Falls ja, wird es dort wohl eine kleine Klettersteigpassage geben, um auf den "oberen Keesboden" des Schlatenkees zu kommen. Sehr schön sieht man die "Firnringe", die sich wie Jahresringe schlängeln. Ganz weiß ist der Schnee vom letzten Winter. Die erste Graustufe ist der Winterschnee 2024/25. Die nächste, noch grauere Farbschattierung, ist der Winterschnee 2023/24. Und so weiter. Wir sehen also allein daran, dass die heurige Ausaperung enorm ist. In einem "normalen" Winter würde man den Firn der Vorjahre gar nicht sehen. Wir sehen anhand der Fotos, dass im Sommer 2026 nicht nur der Schnee vom Winter 2025/26 schmolz, sondern auch Restschnee vom Winter 2024/25, von 2023/24, von 2022/23 und so weiter. Noch einige solche Sommer wie 2026, dann sind auch die höchsten Nährgebiete am Venediger völlig leer.