02/06/2026
„Sah er, was nicht geschah, was nicht Geschichte wurde? Sah er nicht die Geschichte, nicht die Geschichte der Ereignisse, Taten, Daten? Erzählte er etwas, was nicht Geschichte war, was auch nicht unwahr war? […] Gab er ihr die anderen Möglichkeiten? Die Weltgeschichte konnte aufgehalten werden?“
Peter Waterhouse
Z Ypsilon X
Dienstag, 02. 06. 2026
19.30 Uhr
Niemand in der Familie sprach gern über den Großvater, der als Hauptschriftleiter eine zentrale Rolle in der österreichischen NS-Propaganda innegehabt hatte. Niemand beachtete die Bücher, die dieser gesammelt hatte, Bücher von Karl Kraus, Peter Altenberg und vielen anderen, die in den Regalen der Nachkommen zusehends verstaubten. Niemand – bis hundert Jahre nach dem Tod des Großvaters das Enkelkind in ihnen zu lesen beginnt und eine ungeahnte Gegenwelt entstehen lässt.
Zehn Jahre hat Peter Waterhouse an seinem dreibändigen opus magnum „Z Ypsilon X“ geschrieben. Es ist ein Familienepos und ein Antikriegsroman, es achtet auf kleinste Zeichen und eröffnet einen Möglichkeitsraum, in dem die Weltgeschichte angehalten, die Vergangenheit verändert werden kann. Es ist ein Werk der sprachlichen Schärfe und epischen Weite, und wo immer man es anpackt, ganz gerecht wird man ihm nie.
Eine Welt des Zögerns und Fragens, konturiert durch Anstreichungen und Randnotizen, Widmungen und Lesezeichen, in der das Wort nicht dem kriegstreibenden »Voran« und der Gewalt gewidmet wird, sondern all dem Unterbrochenen, Leisen, Möglichen, das scheinbar noch die Vergangenheit zu verändern weiß.