Institut für jüdische Geschichte Österreichs/Jewish History in Austria

Institut für jüdische Geschichte Österreichs/Jewish History in Austria Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs besteht seit 1988 und ist in der Ehemaligen Synagoge von St. Pölten untergebracht. Pölten.

Das Institut für jüdische Geschichte Österreichs besteht seit 1988 in Wien und St. Seine Büroräumlichkeiten sind in der Ehemaligen Synagoge von St. Pölten, der Landeshauptstadt Niederösterreichs, untergebracht. Seine Aufgabe ist die umfassende Erforschung der Geschichte und Kultur der Juden in Österreich vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Unsere Arbeit umfasst wissenschaftliche Forschung, Publikat

ions- und Vortragstätigkeit, universitäre Lehre sowie Mitwirkung in der Erwachsenenbildung und an Schulprojekten. Durch die Unterbringung in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten fand das verwaiste Haus eine neue, sinnvolle Nutzung als Gedenkstätte.

Die Mitarbeiterinnen des Langzeitprojekts "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" am Injoest ar...
04/09/2026

Die Mitarbeiterinnen des Langzeitprojekts "Regesten zur Geschichte der Juden in Österreich im Mittelalter" am Injoest arbeiten derzeit an der Herausgabe von Band 6 und 7 der wichtigen Reihe zur mittelalterlichen jüdischen Geschichte. Wie immer sind dafür auch umfangreiche Recherchen in zahlreichen Archiven notwendig. Der Besuch im Archiv Wiener Neustadt führte wieder zu interessanten Funden.

Weitere Informationen zum Projekt: http://www.injoest.ac.at/de/projekte/laufende-projekte/regesten

Fotos: © Injoest/Birgit Wiedl

Heute vor 120 Jahren starb die auf dem neuen jüdischen Friedhof in St. Pölten begrabene Käthe Deutsch: "Unsere gute Mutt...
02/09/2026

Heute vor 120 Jahren starb die auf dem neuen jüdischen Friedhof in St. Pölten begrabene Käthe Deutsch: "Unsere gute Mutter Frau Käthe Deutsch geb. Grunwald starb im 30. Lebensjahr am 2. Sept. 1906 (12 Tage im Monat Elul 5666)."

Der Friedhof kann diesen Sonntag bei einer Führung um 14 Uhr im Zuge der Europäischen Tage der jüdischen Kultur besucht werden, außerdem findet um 16 Uhr eine Führung durch die Ausstellung "Geraubte Heiligkeit" in der Ehemaligen Synagoge St. Pölten statt. Nähere Infos dazu finden Sie hier: http://www.injoest.ac.at/de/aktuelles/friedhofsfuehrungen-st-poelten
und hier: https://www.ehemalige-synagoge.at/de/programm/europaischer-tag-der-judischen-kultur/66914

Foto Grabstein: © Injoest
Foto Ausstellung: © NÖ Museum Betriebs GmbH, Foto: Klaus Pichler

„Ungefähr 3 Wochen nach dem Umbruch trug mir Herr Gelb, der mich eigens in seine Wohnung rufen ließ, Haus und Geschäft a...
26/08/2026

„Ungefähr 3 Wochen nach dem Umbruch trug mir Herr Gelb, der mich eigens in seine Wohnung rufen ließ, Haus und Geschäft an. [...] Da ich selbst nicht Mitglied oder auch nur Anwärter der NSDAP oder einer Gliederung war, wurde mir zuerst die Übernahme des Hauses überhaupt verweigert. Herr Gelb setzte sich nun persönlich bei dem ihm als alten St. Pöltner gut bekannten Kreiswirtschaftsleiter ein, und lediglich dieser Intervention war schließlich die Bewilligung der Hausübernahme zu danken.“ Heinrich Gelb gehörte demnach sicher nicht zu denen, die nach dem „Anschluss“ erst einmal abwarteten. Für seinen Wunschkandidaten, seinen früheren Lehrling und langjährigen Angestellten Josef Resch, intervenierte er sogar bei NS-Kreiswirtschaftsleiter Fritz Waibl.

Geboren am 26. August 1875 in St. Pölten als Sohn von Samuel und Barbara, betrieb Heinrich Gelb ab 1899 das „Friseur- und Rasiergewerbe“, wie in der Vermögensanmeldung seiner Frau steht, ab 1911 in einem eigenen „Herren- und Damensalon“. Mit seiner Frau Hermine Löbl aus Lackenbach, geboren am 10. März 1876, hatte er vier Kinder, wovon er zwei Söhne beerdigen musste.

Paul, geboren 1905, wie sein Vater Friseur und später Buchhalter, kehrte im August 1938 nach einem Schachturnier in Zürich nicht mehr in die nunmehrige „Ostmark“ zurück. Grete (Margarete), geboren 1909, emigrierte im April 1939 nach Großbritannien.
Trotz aller Umsicht gelang ihren Eltern die Flucht nicht. Relativ spät, erst am 7. Mai 1940, erfolgte die Zwangsumsiedlung nach Wien 2, Floßgasse 6/8. Am 26. Februar 1941 wurden Heinrich und Hermine Gelb nach Opole bei Lublin deportiert, auf diesem Transport von mehr als tausend Menschen befanden sich auch mehrere andere St. Pöltner Jüdinnen und Juden. Wann Heinrich den katastrophalen Lebensumständen im Ghetto erlag, ist nicht bekannt. Hermine wurde am 24.12.1941 ermordet.

Der am 17. August 1903 geborene Hermann Gelb war von November 1938 bis zum 12. Mai 1939 in Dachau interniert. Nach seine...
17/08/2026

Der am 17. August 1903 geborene Hermann Gelb war von November 1938 bis zum 12. Mai 1939 in Dachau interniert. Nach seiner Flucht über Italien nach Frankreich, wurde er dort verhaftet, konnte jedoch am 27. Oktober 1942 in die Schweiz fliehen, wo er abermals interniert wurde.
Hermann Gelbs Verlobte Minna war die Tochter des Tischlers Josef Grießler. Sie wartete sieben Jahre lang auf Hermann. Um zu verhindern, dass das Haus der Gelbs in fremde Hände fiel, bat sie ihren Vater, es zu „arisieren“. Dieser weigerte sich zunächst, schließlich aber wurde die Liegenschaft im Einvernehmen mit der Familie Gelb (Hermanns Eltern waren nach Lodz deportiert worden) als „gute Arisierung“ durchgeführt. Am 2. Oktober 1946 konnte Hermann Gelb nach St. Pölten zurückkehren

Fotos: Wilhelm (Hermanns Vater) und Hermann Gelb bei der Freiwilligen Feuerwehr Ratzersdorf 1929 (1. Reihe, 4. von links und letzte Reihe, 2. von rechts); Hermann Gelb bei der Theatergruppe (1. von links) © Injoest

Weitere Informationen zu Mitgliedern der jüdischen Gemeinde St. Pölten: https://www.juden-in-st-poelten.at/de/

Herzliche Gratulation zu 20 Jahren wichtiger Arbeit!
16/08/2026

Herzliche Gratulation zu 20 Jahren wichtiger Arbeit!

Masal tov, nurinst!

Im Zentrum der Institutsarbeit steht bis heute die Erforschung des Nationalsozialismus und seiner Auswirkungen auf das europäische Judentum sowie die jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere aber die Vermittlung des Neubeginns nach der Schoa, die Juden als politisch Handelnde zeigt, die den Aufenthalt in den DP-Camps als Vorbereitung auf ihre Zukunft im eigenen Staat begriffen.

https://www.hagalil.com/2026/08/masal-tov-nurinst/

Bild: Immer auf der Suche nach Geschichte und Geschichten: Journalist und Historiker Jim Tobias (r.), hier mit Kameramann Winfried Schuhmann auf den Straßen von New York, Foto: nurinst-archiv

Der 1908 geborene St. Pöltner Viktor Hahn war in Dachau inhaftiert, floh im September 1939 nach Palästina und diente in ...
12/08/2026

Der 1908 geborene St. Pöltner Viktor Hahn war in Dachau inhaftiert, floh im September 1939 nach Palästina und diente in der British Army. Er konnte seine Eltern Edmund und Jella nicht nachholen, weil pro Familie nur eine Elternseite nachgeholt werden konnte und seine Frau bereits Anträge für ihre Eltern gestellt hatte - diese nahmen tragischer Weise diese Fluchtmöglichkeit nicht in Anspruch. Viktors Eltern wurden 1942 in Maly Trostinec ermordet.

Nach dem Krieg versuchte Viktor Hahn Schmuckstücke aus dem Familienbesitz wieder zurück zu erhalten, was sein Bruder Hermann so beschrieb: „Der Vater hat den ganzen Schmuck genommen, und es war viel Schmuck, denn er hat meine Mutter sehr geliebt […] Und [er hat ihn] im Beisein von meinem Bruder einem Kollegen gegeben, mit dem wir einige zehn Jahre zusammengearbeitet haben, und hat gesagt: »Heb´ mir das auf, und nach dem Krieg hol ich es.« Und wie der Krieg aus war, hat mein Bruder sofort dem Mann geschrieben, wir sind wieder da, kannst mir das schicken, oder ich werde kommen. Und der hat ihm geschrieben, er hat nie etwas bekommen, nie etwas gesehen: »Du spinnst, Du bist nicht ganz normal, nie ist da gewesen so eine Sache«. Ein Kollege, ein Arbeitskollege!“

Weitere Informationen zur Familie Hahn: https://www.juden-in-st-poelten.at/de/personen-view/memorbuch

Fotos: Viktor Hahn in der Jüdischen Brigade, Palästina, ca. 1940; v.r.n.l.: Viktor Hahn, Franz Mandl, Karl Abeles und Hermann Hahn am Hochtor im Gesäuse, ca. 1932 © Injoest

Die Mitarbeiter:innen des Injoest wurden heute von Michael Resch und Tanja Wünsche durch die NÖ Landesausstellung im Lan...
11/08/2026

Die Mitarbeiter:innen des Injoest wurden heute von Michael Resch und Tanja Wünsche durch die NÖ Landesausstellung im Landesklinikum Mauer geführt. "Die Welt steht Kopf" gibt einen umfassenden Einblick in die Welt psychischer Erkrankungen einst und jetzt und setzt sich mit aktuellen Fragen zum Thema auseinander. Mit dem Lernort gibt es eine besonders intensive Auseinandersetzung mit den NS-Medizinverbrechen. Hierzu gab es am Injoest seit 2016 mehrere Projekte, um dieses dunkle Kapitel aufzuarbeiten. Danke für die Möglichkeit, die Ausstellung gemeinsam ansehen zu können, wir finden sie sehr gelungen!

https://www.noe-landesausstellung.at/de

Wilhelm und Mathilde Gelb betrieben einen Kaufmannsladen in Ratzersdorf 15. Wilhelm Gelb war gelernter Schlosser und die...
06/08/2026

Wilhelm und Mathilde Gelb betrieben einen Kaufmannsladen in Ratzersdorf 15. Wilhelm Gelb war gelernter Schlosser und diente vier Jahre in der k.u.k. Kriegsmarine. Er war als Sozialdemokrat Mitglied, des Ratzersdorfer Gemeinderates und der Freiwilligen Feuerwehr.
Das Geschäft wurde im November 1938 gesperrt. Da das Ehepaar Gelb nun nicht wusste, wovon es leben sollte, versuchte Mathilde, die aufgeschriebenen Außenstände der Ratzersdorfer zu kassieren, was in einem Fall mit den Worten »Was willst denn, du Saujüdin!« kommentiert wurde.
Im Zuge des Novemberpogroms wurde Wilhelm Gelb verhaftet, aber, im Gegensatz zu seinen Söhnen, wieder entlassen, da er Weltkriegsteilnehmer war. Mathilde und Wilhelm Gelb sowie dessen Bruder Leopold meldeten sich am 6. Mai 1940 nach Wien 2 ab. Dort wurden sie von ihrer Tochter Anna unterstützt, die sie regelmäßig besuchte, bis sie eines Tages vor versiegelten Türen stand. Mathilde, Wilhelm und Leopold Gelb waren zuletzt in Wien 18, Hans-Sachs-Gasse 17/8 gemeldet und wurden am 23. Oktober 1941 nach Lodz deportiert. In diesem Transport befanden sich weitere 989 österreichische Juden.
Tag des Todes von Wilhelm Gelb ist der 6. August 1942, die näheren Umstände sind nicht bekannt, Mathilde wurde weiter nach Chelmno deportiert und dort im September 1942 ermordet.

Weitere Informationen zur Familie Gelb: https://www.juden-in-st-poelten.at/de/personen-view/memorbuch

Fotos: Hilde Fein, geb. Mattes, mit ihrem Großvater Wilhelm Gelb im Wiener Prater, 1941; Wilhelm Gelb im Gemeinderat Ratzersdorf, ca. 1930 (2. Reihe, Zweiter von links); Gemischtwarenhandlung von Wilhelm Gelb in Ratzersdorf; Minna Grießler, Mathilde und Wilhelm Gelb vor ihrem Haus in Ratzersdorf, 1939. Rechte: alle Personenfotos: Injoest; Foto der Gemischtwarenhandlung: Stadtarchiv St. Pölten

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Sankt Pölten
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