08/09/2026
Wo der Wolf auf Weidetiere trifft: BOKU-Studie zeigt Konflikt-Hotspots in Österreich 🐺🏔️
Der Wolf breitet sich in Österreich wieder aus – und damit nehmen auch die Herausforderungen für die Weidetierhaltung zu. Forschende des Instituts für Wildbiologie und Jagdwirtschaft der BOKU University haben nun erstmals für ganz Österreich untersucht, wo geeignete Lebensräume für Wölfe mit einem erhöhten Risiko für Nutztierrisse zusammenfallen.
Für die Studie analysierte das Team um Erstautor Florian Kunz 124 sorgfältig ausgewählte Wolfsnachweise und 109 dokumentierte Rissereignisse in Verknüpfung mit 37 Faktoren wie Waldanteil, Gelände, Siedlungsnähe und Nutztierhaltung. 📊🌲
Die zentralen Ergebnisse im Überblick:
➡️ 47 % der Fläche Österreichs eignen sich grundsätzlich als Lebensraum für Wölfe.
➡️ 23 % der Landesfläche weisen eine erhöhte Anfälligkeit für Nutztierrisse auf.
➡️Knapp 10 % (rund 8.000 km²) vereinen beides: Hier treffen gute Lebensbedingungen für den Wolf direkt auf eine Gefährdung von Nutztieren.
📍⛰️Besonders konfliktträchtige Zonen liegen auf alpinen Weideflächen am oder oberhalb des Waldrandes sowie auf offenen, waldumgebenen Flächen. Derartige Flächen liegen vor allem in Tirol und Kärnten.
🛡️Mithilfe eines neu entwickelten Priorisierungsindex machen die BOKU-Forschenden sichtbar, wo Präventionsmaßnahmen besonders notwendig wären. Da klassische Schutzmaßnahmen wie wolfssichere Zäune an praktische Grenzen stoßen, kommen je nach Standort Behütung, Nachtpferche, Herdenschutzhunde oder kombinierte Maßnahmen infrage. Dieser Mehraufwand für die Nutztierhalter ist mit entsprechenden Mehrkosten verbunden.
Kunz hält fest: „Unser Ziel ist es, eine sachliche räumliche Grundlage für Entscheidungen zu schaffen. Wenn wir wissen, wo sich geeigneter Lebensraum und erhöhtes Konfliktpotenzial überschneiden, können Präventionsmaßnahmen wesentlich effektiver geplant werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung für ein konfliktarmes Zusammenleben von Mensch und Wolf.“
Die Modelle dienen nicht als Vorhersage künftiger Risse, sondern definieren konkreten Handlungsbedarf. Für ein nachhaltiges Wolfsmanagement braucht es laut den Forschenden ein Zusammenspiel verschiedener Instrumente: von vorbeugendem Herdenschutz, Beratung und Entschädigungsmodellen über systematisches Monitoring bis hin zu transparenten Daten und überregionaler Zusammenarbeit.
ℹ️Mehr Informationen: https://short.boku.ac.at/kg82g20000000
ℹ️Publikation: Kunz, F. et al.: Prioritizing areas for wolf management in Austria by modelling potential habitat and depredation risk. Wildlife Biology, 2026. DOI: 10.1002/wlb3.01655
📸 © J.Hatlauf