10/06/2020
Das Bundesheer wurde zum schlecht bezahlten Diener einer nicht funktionierenden Politik: Jahrelang finanziell von ÖVP und SPÖ ausgehungert, wird es nun überall eingesetzt, wo ÖVP und Die Grünen versagen. Das Bundesheer mit der Miliz ist ein gutes Werkzeug, doch es droht ermangels Finanzierung zu verrosten. Es liegt an der kommenden Politik hier Abhilfe zu schaffen, denn die derzeitige scheint dazu unfähig. Ein reines Berufsheer wollten wir in Händen solcher Politik nicht sehen.
Aus dem Einsatztagebuch des Milizsoldaten und Liberten, Dipl.-Ing. Rudolf Golubich, Gfr.:
Nach dem Einrücken steht man die erste Woche täglich 14 Stunden, von 06:00 bis 22:00, in den Feldschuhen - Pausen durchziehen die Einsatzvorbereitung nur sporadisch. In den ersten zwei Wochen sind 130 Ausbildungsstunden zu absolvieren. Die Besoldung entspricht bei solcher Dienstzeit ungefähr 3 €/h, doch des Geldes wegen sind sowieso nur die wenigsten hier: für einen sinnvollen Einsatz stehen wir gerne parat, dazu haben wir uns mit Stolz verpflichtet. Miliz zahlt sich aus - für Vater Staat. Noch ist ein freies Wochenende Motivation, doch schon in zweiter Woche scheinen die Dienstpläne zur Wunschvorstellung geworden: ob und wann Dienstschluss ist, erfährt man teils erst Minuten zuvor - für manch zivile Verpflichtung ein Problem. Die Kommandanten tun ihr Möglichstes, Ordnung in das politisch und bürokratisch verursachte Chaos zu bringen, doch die Motivation aufrecht zu erhalten wird zusehends schwieriger - und das, obwohl der Einsatz noch nicht einmal angefangen hat. Man versucht, es mit Humor zu nehmen: Wenn schlechtes Essen das Zeichen einer guten Armee ist, gehören wir wohl zu den Besten. Nachdem alle schon vom Dienst abgetreten sind, warten die Besten noch immer auf Aufklärung unklarer Befehlslage die wir der nicht viel klararen Politik verdanken. Dessen zum Trotz gelingt es, so etwas wie Ordnung in den Einsatz zu bringen. Das erste Dienstrad beginnt mit einer 12 stündigen Nachtschicht an einem geschlossenen, also Seitens Slowakei verbarikartierten, Grenzübergang. Dort wird im Regen ein Mannschaftszelt an der March bezogen. Die Besten haben es nicht gerne warm und sie stehen gerne im Regen - hier kommen sie voll auf ihre Kosten. Die Herausgabe der verfügbaren Öfen wird vorerst verweigert: die Gemeinde sieht Brandgefahr. Das manche ermangels genug Betten auf dem harten Boden der Tatsachen schlafen, kuriert zumindest das eine oder andere Rückenproblem. In einer der folgenden Dienst-Schichten offenbart sich die Sinnhaftigkeit des Einsatzes: Aufgriff zweier Personen nach begangener Grenzübertretung mit einem jungen Welpen - Verdacht auf illegalen Tierverkauf. Beide werden nach Hinzuziehen der Polizei mitsamt Welpen wieder in die Slowakei geschickt. Wir stehen demnach zwar fast umsonst, aber zumindest nicht völlig unnötig an der Grenze. Als symbolischen Dank werden von der Ministerin Klaudia Tanner T-Shirts im Fernsehen übergeben - viele von uns gedenken, dies auszuschlagen: der geringe Sold, verlorene Urlaubswochen, für manche auch verlorenes Urlaubsgeld sowie Kündigungsgefahr oder ein verlorenes Studiensemester reichen vollkommen, das T-shirt wäre zu viel des Guten. Immerhin werden die zu den Manschaftszelten gehörenden Öfen nun installiert. Und das verdanken wir nicht der Politik, sondern den Kommandanten und Kameraden, die sich dafür erst einsetzen mussten. Mit Voranschreiten des Einsatzes kommt auch die Versorgung auf Touren: in der Früh erfreut man sich nun bei Weilen an Mohnstrudel, Topfengolatschen und Kuchen. Es scheint bergauf zu gehen. Eine Änderung der Einsatzlage erfahren wir als erste, so heißt es. Die Abbeorderung vom Einsatz tut sich uns dennoch erst aus der Zeitung Kund. Knappe 3 Wochen Ausbildung für 16 Tage Einsatz - da sag noch einer, wir seien unzureichend ausgebildet. Rechtzeitig zum Ende würde alles flüssig laufen. Diesen Einsatz hätten wir auch mit 4 tägiger Vorbereitung gemeistert. Da die Dauer bis Ende Juli anberaumt war, werden sich nun manche in vorläufiger Arbeitslosigkeit wiederfinden, andere können zumindest ihren zivilen Verpflichtungen gerecht werden. Wäre eine Firma geführt wie das Bundesheer, bzw. die Republik als Ganzes, würde sie in der freien Wirtschaft nicht überleben. Mit verlorenem Vertrauen in die Politik gehen wir aus dem Einsatz, doch daran wächst der Zusammenhalt in der Kompanie. Heil dem österreichischen Bundesheer (es hat dies bitter nötig)!