18/10/2026
Wir freuen uns SEHR über 34 neue Konfis! 1. Etappe: Kirchenschlaf ist geschafft - alle haben zumindest ein bisschen geschlafen und in der Augustinerkirche Wien lautstark Karaoke gesungen. Hier unser Konfi-Gottesdienst zum Thema "Doobie Scout Canoo"
Liebe Konfis, liebe Eltern, liebe Gemeinde,
Doobie Scoot Canoe.
Kennt ihr?
Wenn nicht, dann habt ihr diesen Sommer offenbar weniger Zeit auf TikTok verbracht als viele andere Menschen.
Doobie Scoot Canuuu –heißt eigentlich Du bist gut genug.
Vier deutsche Wörter, die diesen Sommer um die Welt gegangen sind.
KitschKrieg, Blumengarten und Shirin David haben daraus einen Song gemacht – und irgendwann haben Menschen, die kein Deutsch können, angefangen mitzusingen.
Nur haben sie etwas anderes verstanden.
Aus „Du bist gut genug“ wurde eben:
„Doobie Scoot Canoe.“
Das ist natürlich Quatsch, aber offenbar ziemlich guter Quatsch.
Millionen Menschen haben mitgemacht. Videos gedreht, eigene Versionen erfunden und mitgesungen.
So etwas nennt man übrigens einen Mondegreen: Man hört etwas falsch – und plötzlich entsteht im Kopf ein ganz neuer Satz.
Das passiert ständig. Sicher habt ihr da eigene Erfahrungen. Ich weiß noch – bei den Eurythmics habe ich immer gehört: „Sweet dreams are made of cheese.“ statt „Sweet dreams are made of this“.
Auch in der Kirche passiert so etwas.
Mit haben schon Menschen erzählt, dass sie als Kinder bei „Stille Nacht“ immer verstanden haben:
„Gottes Sohn, Owi lacht.“
Und sich jahrelang gefragt haben, wer dieser Owi eigentlich ist.
Oder beim Vaterunser:
„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsere Schulden gern.“
Ja, das wäre praktisch. Manchmal hört unser Gehirn einfach, was es hören will.
Aber bei diesem Sommerhit ist das eigentlich schade.
„Doobie Scoot Canoe.“ Klingt zwar süß, aber deutlich besser ist doch:
„Du bist gut genug.“
Das ist ein ganz wichtiger Satz, den man eigentlich viel zu selten hört. Wann hat euch das zuletzt jemand gesagt?
Nicht:
Da geht noch was.
Nicht:
Wenn du dich ein bisschen mehr anstrengst, könntest du das besser
Sondern einfach:
Du bist gut genug.
Stellt euch einen ganz normalen Montag vor.
Ihr bekommt eine Schularbeit zurück.
Eine drei.
Und ihr wisst schon, bevor ihr zu Hause seid, wie das Gespräch ungefähr laufen wird. Ach Felix, oder Ronja oder Klara oder Oliver - „Was ist denn da passiert? Du kannst das doch eigentlich.“
Und ihr hört nur:
Das hätte besser sein müssen. Du hättest besser sein müssen.
Oder stell dir vor, es geht um die Mannschaftsaufstellung für das Turnier am Wochenende – deine Freunde werden aufgestellt, aber du nicht. Ja, es ist keine Katastrophe, aber es piekst. Es tut weh. Und schon ist sie da, diese Frage:
Bin ich eigentlich gut genug?
Und, liebe Eltern, liebe Gemeinde: wir Erwachsenen brauchen uns jetzt gar nicht entspannt zurücklehnen und denken:
Ja, die armen Jugendlichen heute. Schule, Leistungsdruck, Social Media …
Als hätten wir dieses Problem nicht.
Denn es reicht manchmal schon ein Gespräch mit anderen Eltern und unser Selbstvertrauen ist am Boden. Wenn andere erzählen:
„Unsere Tochter jobbt neben der Schule, verdient ihr eigenes Geld und macht ab Jänner ein Auslandssemester.“ Oder:
„Unser Sohn weiß schon ganz genau, was er später machen will.“
Und man selbst denkt:
Super. Meine Tochter gibt all ihr Geld beim Bipa aus und mein Sohn weiß heute nicht einmal, wo seine Trinkflasche ist.
Und schon geht es los und wir fragen uns:
Machen wir eigentlich genug?
Fördern wir genug?
Sind wir zu streng? Zu locker?
Hätten wir früher merken müssen, dass …?
Und während wir noch überlegen, ob wir als Eltern alles richtig machen, gibt es ja auch noch den Rest unseres Lebens.
Die Arbeit. Beziehungen. Die eigenen Eltern, die älter werden. Menschen, um die wir uns kümmern wollen und für die dann doch wieder zu wenig Zeit bleibt. Und über allem steht die große Frage: Reiche ich eigentlich? Bin ich gut genug?
Diese Frage hört nicht mit vierzehn Jahren auf. Sie verändert nur ihre Form.
Und deshalb ist dieser Satz überhaupt nicht so banal, wie dieser Ticktock song :
Du bist gut genug.
Das ist ein Satz, der in die Kirche gehört.
Nicht weil wir hier naiv sind oder uns gegenseitig einreden wollen: Du bist super. Alles an dir ist toll. Glaub einfach an dich.
Das wäre mir zu billig. Denn natürlich ist nicht alles gut, was wir tun.
Wir machen Fehler. Wir verletzen Menschen. Wir trauen uns Dinge nicht zu und halten uns klein.
Du bist gut genug heißt nicht: Alles, was du tust, ist gut.
Du bist gut genug heißt: Da ist jemand, der an dich glaubt, bevor du selbst es kannst. Gott glaubt an dich.
Gott traut uns etwas zu. Er hat uns erwählt, nicht wir ihn.
Liebe Gemeinde, liebe Konfis – wir haben uns am Donnerstag gefragt, was es heißt: evangelisch zu sein. Und ich sage: genau das! Luthers damals bahnbrechende Erkenntnis war die Tatsache, dass wir gut genug sind!
Dass Gott uns ins Leben gestellt hat, ohne, dass wir etwas geleistet haben. Dass er uns liebt – Mannschaftsaufstellung, Noten, Leistung hin oder her.
Es wäre lächerlich, anmaßend zu glauben, dass wir etwas beitragen könnten, um Gott zu beeindrucken.
Genau so hat Gott auch seinen eigenen Sohn behandelt.- wir haben es vorhin bei der Geschichte von der Taufe gehört.
Da kommt Jesus zu Johannes, um sich im Jordan taufen zu lassen. Er steigt ins Wasser. Johannes tauft ihn. Jesus kommt wieder heraus.
Und dann öffnet sich der Himmel.
Gottes Geist kommt auf ihn herab.
Und eine Stimme sagt:
„Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Freude.“
Jesus hatte zu diesem Zeitpunkt noch nichts besonders Großartiges geleistet. Er steht ganz am Anfang seiner Tätigkeit als Wanderprediger.
Er hat noch keine große Predigt gehalten. Noch keinen Menschen geheilt.
Noch nichts von dem getan, wofür ihn später alle kennen werden.
Und vorher kommt diese Zusage:
An dir habe ich Wohlgefallen.
Nicht:
Zeig erst einmal, was du kannst.
Nicht:
Wenn du deine Sache gut erledigst, reden wir noch einmal.
Sondern zuerst:
Du bist geliebt. Du bist genug.
Und dann beginnt Jesus seinen Weg.
Diese Reihenfolge ist entscheidend!
Denn wir machen es oft andersherum.
Erst zeigen, was man kann. Dann gibt es Anerkennung.
Erst die Leistung. Dann das Lob.
Erst beweisen, dass man dazugehört.
Das Evangelium dreht die Reihenfolge um:
Du musst dir deinen Wert nicht erarbeiten.
Du hast ihn schon.
Und dann kannst du losgehen.
Kannst lernen. Dich verändern. Etwas wagen. Auch einmal scheitern und neu anfangen.
Nicht, damit du endlich genug wirst.
Sondern weil du längst jemand bist.
Und das gilt mit vierzehn genauso wie mit vierzig oder siebzig.
Auch deshalb finde ich es schön, dass wir heute hier gemeinsam sitzen: Konfis, Eltern, Familien, Gemeinde.
Denn jeder von uns kennt die Frage: Bin ich genug! Keiner kommt irgendwann an den Punkt und denkt: So. Jetzt bin ich vollkommen. Vollkommen mit mir im Reinen. Jetzt brauche ich keine Anerkennung mehr. Jetzt vergleiche ich mich nie wieder.
Wir alle brauchen Menschen, die uns ansehen und uns zutrauen, dass etwas in uns steckt.
Und wir brauchen Orte, an denen nicht ständig bewertet wird.
So ein Ort soll die Kirche sein. Ihr müsst hier nichts leisten, um dazuzugehören. Ihr müsst auch nicht schon wissen, ob ihr an Gott glaubt und wie. Ihr dürft in diesem Jahr fragen, zweifeln, ausprobieren, widersprechen.
Und wir werden euch von einem Gott erzählen, der nicht am Ende mit einer Leistungsbeurteilung und einem Zeugnis dasteht.
Sondern der am Anfang stand und meinte: Du bist mein geliebtes Kind.
Du bist gut genug.
Und jetzt finde selbst heraus was in dir steckt, wofür du deine Kraft einsetzen willst, welcher Mensch du sein möchtest.
Genau dafür habt ihr jetzt auch dieses Konfijahr vor euch.
Nicht damit am Ende 34 perfekte kleine Protestantinnen und Protestanten herauskommen.
Sondern damit ihr euch auf den Weg macht. Mit euren Fragen. Mit euren Stärken und mit den Dingen, die euch an euch selbst manchmal ziemlich nerven.
Und über diesem Weg steht nicht die Frage:
Bist du gut genug?
Sondern die Zusage: Du bist gut genug.
Doobie scout canou
Amen.
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