07/09/2026
Die Zeit um die erste Jahrtausendwende war eine Zeit der Neuordnung in Ostasien. Ähnlich wie im damaligen Westeuropa gab es dort vor tausend Jahren ein aufgeklärtes Denken. Dieses nahm seinen Ausgang in den Orientierungsdebatten der chinesischen Bildungseliten im Zusammenhang der Verbreitung und Adaption des Buddhismus in China, Japan und Korea. Mit der ZEN-Lehre, chinesisch Chan, suchte man die aus Indien nach China gelangten Lehren des Buddha in der eigenen Kultur aufgehen zu lassen. Diese ZEN-Bewegung erfasste ganz Ostasien und dann weitere Regionen. Sie war verknüpft mit Umgangssprache und Schriftkultur und dadurch eng an das Chinesische als die Schriftsprache Ostasiens geknüpft, hat ihren Sprachwitz und ihre Lebendigkeit aber dabei nicht verloren.
In dem Vortrag wird der Wendepunkt in der ZEN-Praxis zwischen dem 10. und dem 12. Jahrhundert thematisiert. Hier finden wir einen Schlüssel zum Verständnis ostasiatischer Geistigkeit und Mitmenschlichkeit, die sich auf die Gestalt des historischen Buddha berief. Es ging dabei auch um das Verhältnis von Gespräch und geschriebenem Wort und um den Umgang mit der Widersprüchlichkeit der Welt. Die späteren konfuzianischen Umbrüche bei Wang Yangming (um 1500) und die Reformansätze und revolutionären Bewegungen am Ende der Qing-Dynastie sind, ohne diese frühen Aufklärungstraditionen nicht zu verstehen. Die im ZEN zum Ausdruck kommende Welthaltung wird vor dem Hintergrund ihrer Entstehung erläutert, und es wird gezeigt, wie sie gerade in der Gegenwart zu neuem Handeln in der Welt befähigen und Scheindebatten überwinden helfen kann.
Helwig Schmidt-Glintzer entwirft in seinem Vortrag ein lebendiges Bild der unter Bezugnahme auf den historischen Buddha sich vollziehenden Aufklärung in dieser für das China der Kaiserzeit formativen Epoche, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart reichen.
Ort: Alte Kapelle, Universitätscampus
Alserstraße 4, Durchgang zwischen Hof 1 und Hof 2, 1090 Wien
Zeit: Freitag, 2. Oktober 2026, 15:30 Uhr
Um Anmeldung wird gebeten: [email protected]