09/12/2021
«Zora i ja»: Das ist der Name meines Start-Ups. Es geht um Mode, es geht um Bosnien, es geht ein Stückweit auch um meine Mama; und es geht darum, dass ich Bock habe, mein eigenes Ding zu machen.
Ausprobiert habe ich schon einiges. Das hilft mir jetzt, die kreative Ader mit dem Unternehmerinnengeist zu verbinden. Ich bin ausgebildete Dentalassistentin, erfahrene Assistentin in einer Anwaltskanzlei und nun Studentin an der Kunsthochschule. Die ZHdK lässt mir viel Freiheit, um mein Studium auf meine Interessen auszulegen. Ich interessiere mich sehr für Mode. Mein Start-Up wird ein eigenes Stricklabel sein. Die Idee kam so: Ich skizzierte die Pullover, und meine Mama strickte sie. Es entstand eine neue Art von Verbundenheit zwischen uns. Nach und nach entwickelte ich die Idee, meine bosnische Herkunft in das Projekt einfliessen zu lassen. In Zmijanje in Bosnien, wo meine Mama herkommt, gibt es eine alte, einzigartige Sticktradition der «Zmijanjski Vez». Das Kreuzstich-Verfahren wurde von der UNESCO anerkannt und gehört zum Immateriellen Kulturerbe Bosniens. Diese Tradition möchte ich in den zeitgenössischen Kontext übersetzen. Ich arbeite mit Strickerinnen in Bosnien zusammen und auch mit einer Ethnologin. Das Projekt hat überraschend viele Fragen aufgeworfen zu meiner Herkunft, meiner Identität. Ich hab das Gefühl, der ganze Prozess bringt mich näher zu mir selbst.
Das klingt natürlich alles sehr hübsch und einfach. Ein Start-Up ist aber nicht nur Unabhängigkeit und Freiheit; besonders dann, wenn’s darum geht, Rechnungen zu bezahlen. Klar gibt es mal Probleme. Diese sehe ich aber als Herausforderung. Und mein Start-Up ist nunmal ein Herzensprojekt.
Sandra Seb, Art Education, ZHDK
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