27/08/2026
Themenschwerpunkt 2026 „Für ein gutes Morgen – Wie die Profilbereiche der RWTH wirken“
Die globalen Herausforderungen sind zu komplex, um sich ihnen allein zu stellen. Erfolgsversprechender ist es, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Fachbereichen gemeinsam forschen. Dafür stehen die neun Profilbereiche der RWTH: Als Herzstück der interdisziplinären Forschungslandschaft vereinen sie wissenschaftliche Expertise über Fakultätsgrenzen hinweg. Der Themenschwerpunkt 2026 „Für ein gutes Morgen – Wie die Profilbereiche der RWTH wirken“ des Knowledge Hubs gibt Einblicke in die Arbeit der Profilbereiche.
Wie das Bauen von morgen aussehen kann und wie sich dabei die Bedürfnisse der Menschen stärker in den Mittelpunkt rücken lassen, und warum die Bauwirtschaft vor einer grundlegenden Transformation steht – darüber spricht Professor Frank Lohrberg (📸 3. v. r.). Er ist Sprecher des Profilbereichs Built and Lived Environment (BLE), Inhaber des Lehrstuhls für Landschaftsarchitektur und Leiter des gleichnamigen Instituts sowie freier Landschaftsarchitekt (AKBW).
❓ Vermutlich gab es vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen eine Notwendigkeit, den Profilbereich „Built and Lived Environment (BLE)“ 2024 als neunten Profilbereich der RWTH einzurichten?
Professor Frank Lohrberg: Ich würde nicht von einer Notwendigkeit sprechen, sondern eher von einer Chance. Ein Profilbereich an der RWTH ist eine Chance für Forscherinnen und Forscher unterschiedlicher Fakultäten, sich zusammenzutun, weil sie merken, dass sie allein in ihrer disziplinären Forschung an Grenzen stoßen. Und der Profilbereich bietet eine Struktur, ein Format, wo man sich austauschen und kooperieren kann.
Die RWTH hat ihre klassischen Schwerpunkte im Bereich Technik, Maschinenbau, Medizintechnik, Elektrotechnik. Doch wir haben in den letzten Jahren gesehen, dass bestimmte globale Herausforderungen wie Verstädterung, Klimawandel, demografischer Wandel jenseits dessen stattfinden. Viele an der RWTH haben dazu schon Forschung betrieben, aber sich noch nicht entsprechend vernetzen können. Der Profilbereich „Build and Lived Environment“ bietet diesen Forschenden Gelegenheit, gemeinsam über Anträge nachzudenken und sich an der Hochschule zu positionieren.
❓ Können Sie bitte ein Beispiel für die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Profilbereichs vorstellen?
Lohrberg: Hier ist das Graduiertenkolleg „MOSAIC: Akustisches Wohlbefinden im multi-domänen und kontextabhängigen Raumansatz“ interessant, weil es ein Projekt ist, das aus dem Profilbereich und den Beziehungen, die wir dort aufgebaut haben, entstanden ist und sich mit einem Feld befasst, was wir so vorher gar nicht im Blick hatten: Es geht um Akustik. Und das ist ein Paradebeispiel. Denn welcher Disziplin gehört die Akustik? Eigentlich in der Elektrotechnik verankert, spielt Akustik aber auch in der Architektur eine große Rolle – Thema Lärmschutz, ebenso im Städtebau, dann natürlich auch in der Medizin: Die Wirkung von Schall auf den Menschen wird dort sehr intensiv erforscht und ist auch relevant in der Anwendung von neuen Ideen für Gebäude, für Schallschutzelemente, also auf der Produktionsseite.
Bislang waren das alles einzelne disziplinäre Expertisen, und über MOSAIC, im Übrigen gefördert durch die HEAD-Genuit-Stiftung, haben wir es geschafft, nun ein Graduiertenkolleg aufzubauen, das vier Jahre lang interdisziplinär forscht. Untersucht wird unter anderem auch, wie es gelingen kann, den Schall nicht nur von den verschiedenen Entstehungsquellen, sondern auch von seiner Wirkung auf den Menschen her, also unser Thema „Lived“ Environment, zu erfassen und aus diesem Wissen heraus bessere technische Lösungen zu erzielen. Das ist gleichzeitig ein schönes Beispiel für die Einrichtung des Profilbereichs, weil es das sonst nicht gegeben hätte. Und es unterstreicht, wie wichtig es ist, an der Schnittstelle von „Built“ and „Lived“ Environment zusammenzuarbeiten. Denn ganz bewusst nennen wir den Profilbereich nicht nur „Built“ Environment, sondern „Built and Lived Environment“.
Es geht nicht nur um eine Produktion gebauter Umwelt, um neue Verfahren, um Systembau in Architektur oder neue Baustoffe, die wir erforschen und dem Markt zur Verfügung stellen. Sondern da ist auch die „Lived“ Environment-Komponente, und wir untersuchen, wie kommen die Menschen eigentlich in dieser gebauten Umwelt klar? Müssen wir alles baulich lösen, oder gibt es nicht auch andere Anpassungslösungen? Können wir nicht auch bestimmte Bedarfe, für die wir sonst gebaut haben, anderweitig substituieren? Und da hilft uns das Wissen aus der Ökonomie, der Techniksoziologie und der Umweltpsychologie sehr. Gerade da sehen wir viele unerforschte mögliche Lösungen.
Zum kompletten Interview ➡ https://www.rwth-aachen.de/go/id/bsntzb
🇬🇧 RWTH Knowledge Hub’s 2026 focus theme, “Building Tomorrow: RWTH’s Profile Areas Make an Impact”
Professor Frank Lohrberg ( 📸 third from the right) discusses what the future of construction might look like, how human needs can be placed at the center of the design process, and why the building sector is on the cusp of a major transformation. He serves as spokesperson for the Built and Lived Environment (BLE) Profile Area, leads the Chair of and Institute of Landscape Architecture, and maintains an active private practice as a landscape architect (AKBW).
❓ Given the backdrop of global challenges, was it necessary to establish the Built and Lived Environment (BLE) Profile Area as RWTH Aachen University’s ninth profile area in 2024?
💬 I wouldn’t necessarily call it a necessity—it was a unique opportunity. At RWTH, a profile area gives researchers space to come together once they hit the limits of working strictly within their own fields. It provides a structured framework for our campus community to exchange ideas and collaborate across traditional academic lines.
RWTH has historically focused on core strengths like technology, mechanical engineering, medical technology, and electrical engineering. In recent years, however, it’s become clear that global challenges—such as urbanization, climate change, and demographic shifts—reach far beyond those traditional discipline boundaries. While many RWTH researchers were already tackling these issues, they lacked a dedicated home to connect and collaborate. The Built and Lived Environment Profile Area gives these scholars the platform they need to join forces, pursue joint research proposals, and build a stronger collective presence across the University.
❓ Can you please give an example of interdisciplinary collaboration within the profile area?
💬 The graduate college MOSAIC (Acoustic Well-Being in a Multi-Domain and Context-Dependent Spatial Approach) is a great example, as it emerged directly from the profile area and the collaborative relationships we’ve built. MOSAIC explores the field of acoustics— a topic we hadn’t previously explored. Acoustics is a fascinating case: while it has roots in electrical engineering, it’s also critical in architecture (think noise protection), urban planning, and even medicine, where the effects of sound on people are studied intensively. Research in this area also informs innovative approaches to building design and soundproofing systems.
Previously, these areas of expertise existed in isolation, each within its own discipline. Thanks to MOSAIC, which is funded by the HEAD-Genuit Foundation, we’ve established a four-year graduate program/college dedicated to interdisciplinary research. Among other topics...
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📸 Andreas Schmitter