30/06/2022
Viele von euch werden von dem so genannten Higgs-Teilchen gehört haben. Die Existenz dieses „Gottesteilchens“ – wie es in der Presse schon mal genannt wird – wurde vor genau zehn Jahren bewiesen. Zu diesem Anlass sprechen bei „10 Jahre Higgs. Das CERN, die RWTH und der Ursprung der Masse“ am 4. Juli um 20 Uhr im C.A.R.L. RWTH-Teilchenphysiker über die Forschung in diesem Bereich. Wir haben uns vorab bei Professor Robert Harlander vom Lehr- und Forschungsgebiet Theoretische Teilchenphysik in die Thematik einführen lassen. 👍
❓ Professor Harlander, was ist an dem Higgs-Teilchen eigentlich so besonders?
💬 In der Physik versuchen wir, die Welt dadurch zu erklären, dass wir alles auf kleinste Bausteine zurückführen. Neben Teilchen wie dem Elektron, den Neutrinos und den Quarks war das Higgs-Teilchen das letzte, das uns zu einer über viele Jahre erarbeiteten Theorie noch gefehlt hat. Alle diese Teilchen sind punktförmig, das heißt sie haben keine räumliche Ausdehnung. Trotzdem besitzen sie eine Masse, was sich für die Theorie als große Schwierigkeit herausgestellt hat. Denn wie viel wiegt ein Punkt? Wiegt er überhaupt etwas?
❓ Welche Rolle spielt dabei das Higgs-Teilchen und warum war seine Entdeckung so bahnbrechend?
💬 In den 1960er Jahren haben einige Physiker, darunter Peter Higgs, die Vermutung aufgestellt, dass die Teilchen streng genommen gar keine Masse besitzen. Stattdessen ist unser Universum erfüllt mit dem sogenannten Higgs-Feld, das die Teilchen so beeinflusst, dass sie uns massiv erscheinen. Das wird oft verglichen mit einer Kugel, die bei ihrer Bewegung durch zähflüssiges Öl gebremst wird. Das Higgs-Teilchen ergibt sich aus der Existenz des Higgs-Feldes, das den Teilchen ihre Masse verleiht. Seine Entdeckung war damit ein Beweis für die von Peter Higgs und anderen aufgestellte Theorie und damit ein Meilenstein in unserem Verständnis der Welt.
❓ Lassen sich technische Fortschritte als Resultat dieser Entdeckung erhoffen?
💬 Ich denke, es ist eine elementare Eigenschaft des Menschen, zu fragen, warum die Welt so ist wie sie ist. Antworten darauf zu finden ist die Aufgabe der Grundlagenforschung. Bei der Veranstaltung am 4. Juli werden wir versuchen, einen Einblick in diesen wunderbaren Forschungszweig zu geben und die Rolle der RWTH zu umreißen. Technische Fortschritte ergeben sich meist durch das Verständnis von übergeordneten Zusammenhängen. Nicht selten ist es so, dass sich anwendbare Durchbrüche als Nebeneffekte ergeben, etwa indem eine neue Technologie entwickelt wird, um ein Experiment überhaupt erst durchführen zu können. Eine unmittelbare Anwendung des Higgs-Teilchens ist zwar zum heutigen Zeitpunkt nicht absehbar, aber es würde mich wundern, wenn nicht früher oder später jemand eine Idee hat, es für den Menschen nutzbar zu machen. 😀
➡ https://www.rwth-aachen.de/go/id/vmmwj
Many of you will have heard of the so-called Higgs particle. The existence of this "God particle" – as it is deemed in the press – was proven exactly ten years ago. To mark this special occasion, RWTH particle physicists will give a talk on research in this field at "10 Years of Higgs. CERN, RWTH, and the Origin of Mass" on July 4, at 8 pm at C.A.R.L. Lecture Hall Complex. Professor Robert Harlander from the Department of Theoretical Particle Physics kindly gave us a brief introduction to the topic ahead of his talk. 👍
❓ Prof. Harlander, what is so special about the Higgs particle?
💬 In physics, we try to explain the world by tracing everything back to the smallest possible parts. Besides particles such as electrons, neutrinos, and quarks, the Higgs particle was the last thing missing from a theory that had been developed over many years. All these particles are point-like, which means they have no spatial expansion. However, they do have a mass, which has turned out to be a great difficulty for the theory. Because how much does a point weigh? Does it weigh anything at all?
❓ What role does the Higgs particle play in this and why was its discovery so groundbreaking?
💬 In the 1960s, some physicists, including Peter Higgs, suggested that strictly speaking, particles have no mass at all. Instead, our universe is filled with what is known as the Higgs field, which affects particles in such a way that they appear massive to us. This is often compared to a ball slowed down by viscous oil. The Higgs particle results from the existence of the Higgs field, which gives particles their mass. Its discovery was thus proof of the theory established by Peter Higgs and others, and thus a milestone in our understanding of the world.
❓ Can we hope for technical progress as a result of this discovery?
💬 I think it's an intrinsically human trait to ask why the world is the way it is. Finding answers to this question is the task of fundamental research. At the July 4 event, we will try to give an insight into this wonderful branch of research and outline RWTH’s role here. Technical advances usually result from an understanding of higher-level interrelationships. It is not uncommon for applicable breakthroughs to arise as side effects, such as developing a new technology to perform an experiment in the first place. An immediate application of the Higgs particle is not foreseeable at present, but I would be surprised if someone did not come up with an idea to make it usable for humans sooner or later. 😀
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