05/05/2023
Das ist ein Eierbecher. Er ist aus Plastik und mindestens 45 Jahre alt. Als ich ein Kind war, stellte ich mir immer vor, dass das eine schimpfende Donald-Duck-Schnauze war. Es ist nämlich wirklich einer der Eierbecher meiner Kindheit, es gab ihn bereits vor mir in meiner Familie 😂. Am Sonntag gabs immer ein weiches Ei, für den Papa manchmal zwei. Papa klopfte sein Ei am flacheren Ende auf, Mama köpfte es mit dem Messer an der spitzeren Seite. Nach einigem Verhandeln konnte ich Mama letztens zwei der insgesamt vier Eierbecher raushandeln. Warum? Weil es der praktischste Eierbecher der Welt ist. Schalen einfach daneben reintun. Dreckigen Löffel, zuviel Salz - einfach daneben rein. Aber: Er ist aus Plastik. Und da muss ich immer wieder an diesen einen Anruf bei mir damals bei Greenpeace denken: "Ich hab jetzt meine ganze Küche plastikfrei gemacht, womit ersetze ich es jetzt? Edelstahl oder Glas?" Plastik ist sehr langlebig. Warum also langlebiges Plastik nicht so lange nutzen, wie es nützlich ist? Ok, das Ding mit Plastik und Mikrowelle, dass das ungut sein kann, das versteh ich - aber da würd ich eher zuerst die Mikrowelle raushauen 😂 Ernsthaft, ich mach jetzt keine Werbung für Plastik - aber das große Plastikproblem, das wir haben, ist das Einwegplastikproblem. Das für genau eine einmalige Nutzung vorgesehen ist, aber genauso wie dieser Eierbecher wohl hunderte Jahre halten wird. Das macht einen Großteil des täglich anfallenden Plastikmülls aus. Einweg-Pet-Flaschen. Verpackungen. Früher warens die dünnen Obst-Gemüse-Plastiksackerl. Dieser Eierbecher hingegen wurde locker schon hunderte Male genutzt und wird es auch weiterhin. Nennt mich naiv, aber das ist mein persönliches Verständnis von Nachhaltigkeit: Die Dinge so lange nutzen wie es nur irgendwie geht. Mehrweg geht vor Einweg, und diese Regel steht für mich über der Materialfrage.