13/10/2026
Predigtimpuls für den 20. Sonntag nach Trinitatis von Pfarrerin Theresa Dittmann:
„Der Sabbat ist euch anvertraut, nicht ihr ihm“, sagt Rabbi Jonathan ben Joseph im Talmud (Joma 85b). Denn der Mensch soll ja durch die Gebote leben (vgl. Lev 18,5), argumentiert Shmuel. Im Zentrum der rabbinischen Diskussion steht die Frage, wie das Sabbatgebot zu verstehen ist, wenn es mit dem Schutz des Lebens in Konflikt gerät. Die Antwort ist: Die Rettung eines Menschenlebens hat immer Vorrang. Auch in Mk 2 geht es um die rechte Auslegung des Sabbatgebots. Und auch Jesus kommt zu dem Ergebnis: »Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht, nicht den Menschen für den Sabbat« (Mk 2,27).�Das entzieht der jahrhundertealten christlichen Rollenaufteilung den Boden: hier die angeblich scheinheiligen, hartherzigen Paragraphenreiter namens Pharisäer – und dort Jesus, der zugunsten der Freiheit angeblich den Sabbat gebrochen oder gar abgeschafft habe. Was wir tatsächlich hören, sind hier wie dort jüdische Stimmen, die Gottes Wort wirklich verstehen wollen. �Dass der Sabbat nie dem Leben im Weg steht, sondern Leben ermöglicht, darin sind sich alle einig. Was das genau heißt – wo Lebenserhaltung beginnt, wo der Sabbat als Tag der besonderen Gottesnähe seinen Vorrang behält und wie beides zusammengeht – darüber gibt es eine lebhafte Diskussion und Mk 2 zeigt einen kleinen Ausschnitt davon.
Predigttext Mk 2,23-28 (BigS):
23 An einem Sabbat wanderte Jesus durch Getreidefelder hindurch. Seine Jüngerinnen und Jünger begannen, vom Weg aus Ähren abzureißen. 24 Da sprachen einige Pharisäerinnen und Pharisäer zu ihm: »Sieh doch, sie tun etwas, das am Sabbat verboten ist!« 25 Er antwortete ihnen: »Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war, als er und die bei ihm waren hungerten? 26 David ging zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar ins Haus Gottes, den Tempel, hinein und aß die geweihten Brote. David aß diese Brote, die außer den Priestern kein Mensch essen darf, und gab sie auch allen, die bei ihm waren.« 27 Und Jesus sagte weiter: »Der Sabbat ist für die Menschen da und nicht die Menschen für den Sabbat. 28 Die Menschen sind wichtiger als der Sabbat.«