Institut Kirche und Judentum

Institut Kirche und Judentum Das IKJ ist ein Institut der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und ist Das IKJ wurde von 1960 bis 1974 von Prof. Dr. Dres. h.c.

Das 1960 an der Kirchlichen Hochschule Berlin (West) von Günther Harder gegründete Institut Kirche und Judentum ist ein Werk der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Es ist seit 1994 der Humboldt-Universität zu Berlin angegliedert. Dr. Günther Harder, von 1974 bis 2007 von Prof. Peter von der Osten-Sacken, von 2007 bis 2009 von Prof. Dr. Rüdiger Liwak und von

2010 bis 2015 von Prof. Dr. Markus Witte geleitet. Am 22. Mai 2015 hat die Kirchenleitung der EKBO Prof. Christoph Markschies die Leitung des Instituts übertragen.

Prof. Dr. Henrik Simojoki zum Predigttext für Judika:Wer heute Talkshow-Debatten verfolgt oder im Internet Kommentarspal...
17/03/2026

Prof. Dr. Henrik Simojoki zum Predigttext für Judika:

Wer heute Talkshow-Debatten verfolgt oder im Internet Kommentarspalten liest, merkt schnell: In Zeiten der Polarisierung wird die Welt gerne in Lager eingeteilt. Dabei ist das Gute stets im eigenen Lager zu finden.
Nicht immer vollzieht sich die Lagerbildung so abgrenzend wie derzeit in der Sphäre des Politischen. Auch an mir selbst merke ich, wie verlockend es ist, sich in einem Lager des vermeintlich Richtigen bequem zu machen.
In Hebräer 13,12-14 macht der Autor darauf aufmerksam, dass solche Grenzziehungen auch im Bereich des Religiösen wirksam sind. Tief aus dem Ersten Testaments schöpfend, fordert er uns auf, die Komfortzone unseres Lagers zu verlassen – in der Nachfolge Jesu, der außerhalb der Stadttore litt und schmachvoll starb.
Eine Passionsmahnung, die nicht nur aufrüttelt, sondern auch in Bewegung setzt. Wenn wir schon hier keine bleibende Stadt haben, dann lasst uns – möglichst gemeinsam – nach der zukünftigen suchen.

Hebräer 13,12-14 (BigS)
12 Auch Jesus hat daher außerhalb des Tores gelitten, um durch sein eigenes Blut das Volk Israel zu heiligen. 13 Somit lasst uns zu ihm vor das Zeltlager ziehen und seine Schande mit ihm tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern streben nach der zukünftigen.

Prof. Dr. Amir Engel zum Predigttext Jesaja 66, 10-14 für Lätare: Es ist schwer, sich etwas Tröstlicheres vorzustellen a...
10/03/2026

Prof. Dr. Amir Engel zum Predigttext Jesaja 66, 10-14 für Lätare:

Es ist schwer, sich etwas Tröstlicheres vorzustellen als eine Mutter, die sich um ihren Sohn kümmert. In Jes 66,10-13 wird versprochen, dass Jerusalem das Volk Israel wie eine Mutter trösten wird. Die Worte sind wunderschön und kraftvoll. Es gibt Hoffnung, sagt Jesaja, und überschattet damit fast seine Worte aus Kapitel 1,21: „Wie ist die treue Stadt zur H**e geworden!“ Dasselbe Jerusalem, das Hoffnung bietet, war vor nicht allzu langer Zeit noch böse. Und Jesaja nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er die Verderbtheit Jerusalems beschreibt.

Es ist verlockend, Jesajas tröstende Worte zu lesen und sich darin zu sonnen. Für mich sind sie jedoch nur dann tröstlich, wenn sie den gesamten Bogen der Worte des Propheten abdecken. Denn darin liegt die eigentliche Herausforderung Jesajas. Zu wissen, dass Trost nur dann Sinn ergibt, wenn man Buße tut. Buße zu tun macht nur Sinn, wenn man die Verderbtheit anerkennt. Jesaja spricht von beidem, und das müssen wir auch tun.

Hier geht es zum Bibeltext: https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/die-bibel/bigs-online/?Jes/66/10-14/

Predigtimpuls für Okuli von Maria Coors: In den drei kurzen Dialogen stellt Jesus scheinbar unmenschlich radikale Forder...
03/03/2026

Predigtimpuls für Okuli von Maria Coors:

In den drei kurzen Dialogen stellt Jesus scheinbar unmenschlich radikale Forderungen an die Nachfolge. Das 4. Gebot verleugnen, den eigenen Vater nicht begraben, wie es die jüdische Tradition der Zeit, also auch die christliche Tradition unserer Zeit vorsieht. Mit der prophetischen Tradition (1. Kön 19, 19-21) brechen.
Leicht überliest sich, dass die Menschen, mit denen Jesus redet, bereits mit ihm unterwegs sind. Ebenso, dass die drei Szenen je offene Enden haben.
Ich lese sie deshalb als absichtlich provokante und nach wie vor offene Fragen an diejenigen, die das Reich Gottes suchen. Wie geht der Weg dorthin?
Der Weg ist menschlich und radikal. Menschlich insofern wir dabei immer heimat- und rastlos bleiben. Radikal insofern wir trotzdem nicht aufgeben, besonders nicht die Hoffnung, dass Gott uns folgt.

Hier geht es zum Bibeltext: https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/die-bibel/bigs-online/?Lk/9/57-62/

Predigtimpuls zu Röm 5,1-5(6-11) von Elad Lapidot, Professor für Religionsphilosophie: Wenn uns bereits die Freude an de...
24/02/2026

Predigtimpuls zu Röm 5,1-5(6-11) von Elad Lapidot, Professor für Religionsphilosophie:

Wenn uns bereits die Freude an der Hoffnung auf eine von Gott verheißene Herrlichkeit zuteilwird – Erfolg, Glück, Wohlergehen –, warum sollten wir uns über Schwierigkeiten freuen, die diese Hoffnung erst hervorbringen? In den frühen 2000er Jahren deutete Daniel Bensaïd den Niedergang des Kommunismus messianisch. Marx sei wie Mose, Messias der Gerechtigkeit. Der Untergang des Messianismus, so Bensaïd, tritt ein, wenn die Freude an der Hoffnung auf Herrlichkeit durch die Freude an der Herrlichkeit selbst ersetzt wird. So starb der Marxismus, als die Revolution zum Staat wurde. Das Verschwinden der Sowjetunion war daher nicht das Ende von Marx. Im Gegenteil: Es eröffnete die Einsicht, dass die Herrlichkeit des Marxismus – wie von jedem Messianismus –nicht in der Macht des Imperiums liegt, sondern in der geduldigen Hoffnung angesichts der Bedrängnisse.

Hier geht es zum Bibeltext:
https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/die-bibel/bigs-online/?Roem/5/1/

Herzliche Einladung zur nächsten Lesung am 26. Februar 2026 mit Autorin Regina Scheer, die aus ihrem Roman "Hertha Gordo...
18/02/2026

Herzliche Einladung zur nächsten Lesung am 26. Februar 2026 mit Autorin Regina Scheer, die aus ihrem Roman "Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution" lesen wird. Karsten Troyke wird den Abend musikalisch begleiten.

Die Lesung findet wie immer in Kooperation mit der Eberhard-Ossig-Stiftung statt. Anmeldungen bitte per Mail an Ingrid Ossig: [email protected]

Predigtimpuls zu 1. Mose 3,1-19(20-24) von Helene Begrich, Theologin und Mitarbeiterin am Institut Kirche und Judentum B...
17/02/2026

Predigtimpuls zu 1. Mose 3,1-19(20-24) von Helene Begrich, Theologin und Mitarbeiterin am Institut Kirche und Judentum Berlin:

Seine frauenfeindliche Auslegungs- und Wirkungsgeschichte eilt dem Predigttext voraus. So wird etwa im 1. Timotheusbrief nur Eva, nicht jedoch Adam, der Gebotsübertretung beschuldigt (vgl. 1Tim 2,14). Dass Adam auch dabei war – schließlich war er „neben ihr“ (V. 6) – und ebenso das Verbot kannte, nicht von dem Baum der Erkenntnis zu essen (Gen 2,17), ist im 1. Timotheusbrief nebensächlich. Stattdessen dient hier der Text dazu, die untergeordnete Stellung der Frau im Gottesdienst zu begründen. In Bezug auf die Auslegungsgeschichte lohnt ein Blick in die rabbinische Literatur: In den Avot de-Rabbi Natan, rabbinischen Kommentaren zum Midrasch Avot, weicht die Darstellung Evas und daran anschließend diejenige jüdischer Frauen auffallend von gängigen rabbinischen Darstellungen ab: Die „Frauengebote“, die jüdischen Frauen nach der Halacha aufgrund Evas Handelns geboten sind: Nidda (Rituelle Reinigung), Challah (Hebeopfer) und Hadlakat Nerot (Anzünden des Shabatlichtes), werden den für Männer geltenden Geboten direkt gegenübergestellt. Denn sowohl Frauen als auch Männer haben Anteil an der Aufrechterhaltung der jüdischen Welt durch die Bewahrung der Gebote. Eva handelt aktiv - ebenso wie Adam. Und das heißt: die Handlungsverantwortung liegt beim jeweiligen Menschen selbst.

Hier geht es zum Bibeltext: https://www.bibel-in-gerechter-sprache.de/die-bibel/bigs-online/?Gen/3/1/

Predigtimpuls von Pfarrer Dr. Axel Töllner, Beauftragter für christlich-jüdischen Dialog in der ELKB:Zwei paradoxe Szene...
10/02/2026

Predigtimpuls von Pfarrer Dr. Axel Töllner, Beauftragter für christlich-jüdischen Dialog in der ELKB:

Zwei paradoxe Szenen erzählt Lukas: Erst redet Jesus mit seinen engsten Vertrauten, dann heilt er einen Fremden. Die Zwölf, die Jesus seit Monaten begleiten, können mit den düsteren Worten nichts anfangen. Der blinde Bettler kennt Jesus nur vom Hörensagen und setzt seine ganze Hoffnung auf ihn.
Vieles stellen auch die Lernprozesse auf den Kopf, die christlich-jüdische Begegnungen und Blickwechsel nach 1945 eröffnet haben. Dass sie sich entwickeln, ist ein Wunder. Zerrbilder und Ängste haben das Zuhören oft schwierig oder unmöglich gemacht. Einzelne haben nach der Katastrophe neue Wegen gesucht. Sie haben darauf vertraut, dass Gott Wege aus Blindheit und Sprachlosigkeit eröffnet. Und tatsächlich sind neue Einsichten und neues Vertrauen gewachsen. Sie sind zart und jung – und unübersehbar.

Predigtimpuls zu Hes 2,1-5(6-7)8-1;3,1-3 von Rabbinerin Gesa Ederberg: Jecheskel ist ein Prophet, der direkt das Wort Go...
03/02/2026

Predigtimpuls zu Hes 2,1-5(6-7)8-1;3,1-3 von Rabbinerin Gesa Ederberg:

Jecheskel ist ein Prophet, der direkt das Wort Gottes hören kann, und sogar den göttlichen Thronwagen sieht, in unserem Abschnitt wird aber deutlich, dass die Autorität für seine Rede tatsächlich aus der „Rolle“ kommt, die Gott ihm gibt, und die er sich „einverleibt“: Es reicht nicht, dass Worte gesagt und gehört werden, sie müssen Teil des Lebens, Teil gerade auch der Körperlichkeit werden. Obwohl die Rolle „Klagen, Seufzen und Wehgeschrei“ erhält, ist sie im Mund des Propheten süß wie Honig – egal wie bitter die Wirklichkeit ist, ist dies die Erfahrung jüdischer Kinder beim Toralernen von Anfang an: Damit sie die Tora als süß erleben, werden die Buchstaben am Anfang mit Honig bestrichen – ein Brauch, der sich in der mit Süßigkeiten gefüllten Schultüte widerspiegelt.

Predigtimpuls zu Offb 1,9-18 von Teja Begrich, Pfarrer am Dom St. Marien zu Havelberg:Abgeschrieben? Nein, Johannes hat ...
27/01/2026

Predigtimpuls zu Offb 1,9-18 von Teja Begrich, Pfarrer am Dom St. Marien zu Havelberg:

Abgeschrieben?
Nein, Johannes hat uns keine Reiseroute von der griechischen Insel zur türkischen Küste mit sich anschließender Inlandstour vorgeschlagen. Gleichwohl die Orte schön der Reihenfolge nacheinander abgefahren werden könnten, gleich einer Reiseroute nämlich werden die Gemeinden aufgezählt. So eine Aussicht auf Urlaub am Mittelmeer kann ja Anfang Februar auch schon ein tröstlicher Moment sein, schließlich heißt es ja am Ende des Predigttextes: fürchte dich nicht! Der nun, der das sagt, wird zuvor anschaulich beschrieben: langes Gewand, goldener Gürtel, schneeweißes Haar, Augen wie Flammen, Füße aus goldenem Erz, ein scharfes Schwert im Mund und die Stimme wie der Klang eines Wasserfalls. All das hört sich ganz schön nach Daniel an (vgl. Dan 7,9+10,6) und zeigt wie sehr Altes und Neues Testament zusammengehören, sogar das etwas mysteriöse letzte Buch des Neuen Testaments kommt nicht ohne unsere Wurzeln aus.

Predigtimpuls zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar - von Dekanin i.R. Anne-Kathrin K...
20/01/2026

Predigtimpuls zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar - von Dekanin i.R. Anne-Kathrin Kruse:

Es ist ein doppelter Skandal: Wie viele derer, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, sind irgendwo ohne Grab verscharrt und heute schlicht vergessen!
Und die Täter? Die meisten von ihnen sind für ihre Verbrechen nie zur Rechenschaft gezogen worden, haben gut situiert ihren Lebensabend verbracht und sind mit allen Ehren begraben worden.

Wo bleibt die Gerechtigkeit? Das Unrecht gehört nicht der Vergangenheit an –
es ist gegenwärtig.
„Alles ist häwel.“ D.h.: vergänglich, widersinnig, absurd, frustrierend. Aber häwel ist auch der hebräische Name für Abel, ermordet durch seinen eigenen Bruder. Sein Blut schreit noch immer zum Himmel. Abel, dessen Sterben absurd, sinnlos war.

Kohelet, der (oder die?) Weisheitssammler/in beschreibt die Welt präzise, wie sie ist. Und ist ein Lehrmeister darin, unterschiedliche Perspektiven nebeneinander stehen zu lassen. D.h. am Tag des Gedenkens jüdischem Gedenken seine Würde zu lassen und nicht ins Wort zu fallen. Die Opferperspektive nicht zu usurpieren. Jüdisches und christliches Gedenken, Trauern, Offenhalten der Wunden zu unterscheiden.

Gibt es Trost? Mit Blick auf den Midrasch Kohelet (3,15) hält Jürgen Ebach fest: Gott ist nicht nur Anwalt der Erinnerung. Als Anwalt aller Verfolgten und Ausgelöschten wird er sie suchen, ihnen zum Leben verhelfen und ihnen mit ihrer Erwählung einen Ort geben.
Aber wer darf trösten? Wir brauchen eine Sprache, die nicht falscher Versöhnung das Wort zu redet, nicht falschen Trost verspricht, Fragen stellt und aushält.

Herzliche Einladung zu unserer ersten Lesung im Jahr 2026. Wie immer in Kooperation mit der Eberhard-Ossig-Stiftung. Am ...
14/01/2026

Herzliche Einladung zu unserer ersten Lesung im Jahr 2026. Wie immer in Kooperation mit der Eberhard-Ossig-Stiftung.

Am 22. Januar 2026 um 19 Uhr liest Ricarda Messner aus ihrem Roman „Wo der Name wohnt“, der bei Suhrkamp Verlag erschienen ist.

Marco Heise (Piano) wird den Abend musikalisch begleiten.

Anmeldungen bitte per E-Mail an [email protected].

Ann-Kathrin Hasselmann Studienleiterin bei Studium in Israel e.V. und Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde deutscher Spr...
13/01/2026

Ann-Kathrin Hasselmann Studienleiterin bei Studium in Israel e.V. und Pfarrerin der Evangelischen Gemeinde deutscher Sprache zu Jerusalem (Erlöserkirche) über den Predigttext am 2. Sonntag nach Epiphanias:

Dürre, Leere, Hoffnungslosigkeit. Jeremia beschreibt eine Zeit großer Not: Alles, worauf Menschen sich verlassen, versagt. Brunnen sind leer, die Erde ist rissig. Diese Bilder kommen uns nahe in Zeiten, in denen uns Sicherheiten wegbrechen und Zukunft ungewiss wird.

In jüdischer Tradition hat Klage vor Gott einen festen Platz. Not wird nicht verdrängt, sondern im Gebet ausgesprochen. Immer aber mit der eigenen Verantwortung im Blick. Klage- und Bittgebete sind auch Bußgebete. Klage ist so kein Zeichen von Unglauben, sondern Ausdruck einer lebendigen Beziehung zu Gott.

In jüdischem Denken ist der Name Gottes untrennbar mit seiner Treue zum Bund verbunden: „Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer.“ Auch wenn Gott fern scheint, bleibt die Hoffnung bestehen, dass er sein Volk nicht verlässt. Im gemeinsamen Erinnern an Gottes frühere Rettung wächst die Zuversicht, dass er auch jetzt Wege zum verantwortlichen Handeln und damit zum Leben eröffnet.

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Burgstraße 26
Berlin
10178

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