24/08/2026
Vom 17. – 22. August war die Seminargruppe unserer Mitarbeiterin Hera Shokohi auf Exkursion in Jáchymov/Sankt Joachimsthal. Die kleine Stadt im Erzgebirge, unweit von der deutsch-tschechischen Grenze entfernt, ist ein bedeutender Erinnerungsraum für die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der Grund dafür liegt in den großen Mengen an Uran im Erzgebirge: Sowohl unter der nationalsozialistischen Besatzung gab es Zwangsarbeit in den Uranminen Jáchymovs als auch unter dem kommunistischen Regime. In der kommunistischen Tschechoslowakei gab es 18 Zwangsarbeitslager, 12 bis 15 davon befanden sich in Jáchymov und im Umkreis der Stadt.
Wir besichtigten das „Muzeum Královska Mincovna“ (Museum der ehemaligen könglichen Münzstätte) in Jáchymov, den „Rudá Věž Smrti“ (Roter Turm des Todes) [Rudá věž smrti] in Ostrov und wanderten gemeinsam entlang des Lehrpfades „Jáchymovské peklo“ (Hölle von Joachimsthal) [Političtí vězni.cz].
Ein großer Dank geht an Jan Nedvěd, Dominik Jandl, Miloš Bouška und Tomáš Bouška, die uns bei der Organisation der Reise unterstützt haben und uns wertvolle Einblicke in die Geschichte Jáchymovs und die Erinnerungsarbeit vor Ort ermöglicht haben.
Wir verlassen Jáchymov mit dem Gefühl, dass wir noch sehr lange über diese Stadt nachdenken. Jáchymov offenbarte sich als eine Stadt der Kontraste: Im Teil der Stadt, die im Tal liegt, sahen wir Kurhotels und Radonbäder – eine Geschichte des Heilens und der Gesundheit – und in den Bergen der Stadt sahen wir die Uranminen, die Lagerruinen, die Spuren der Zwangsarbeit die verflochten sind mit einer Natur, die beginnt, die Ruinen zu überdecken. Auch im Wetter zeigte Jáchymov uns seine kontrastreiche Natur: Während wir
von unserer Unterkunft aus auf die gegenüberliegende Seite des Tals und der Berge blickten, wo ein Gewitter tobte, konnten wir auf unserer Seite des Tals bei klarem Nachthimmel die Milchstraße und die Sterne sehen. Uns ist klar geworden: Jáchymov kann man nicht vergessen.