26/04/2018
Am gestrigen Abend durften wir Herrn Prof. Dr. Langemann im Rahmen unserer burschenschaftlichen Vortragsabende als Gast auf unserem Haus begrüßen. Der Titel des Vortrags lautete „Und sie bewegt sich doch - Was heraus kommt und was heraus kommen soll.“
Im Anschluss wurde angeregt über die neuen Erkenntnisse und Denkanstöße durch den Vortrag diskutiert. Des Weiteren konnten Einblicke in den Alltag eines Professors und zu verschiedenen aktuellen Themen der Alma Mater gesammelt werden. Wir sind dankbar Herrn Prof. Dr. Langemann einen Referenten auf unserem schönen Arminen-Gothen-Haus nennen zu dürfen.
Einen genaueren Einblick in die Thematik des Vortrags gibt die nachfolgende Ausführung:
"Die Wissenschaften sind seit jeher bestrebt, Aussagen über Zusammenhänge zu finden, nach denen unsere Wirklichkeit funktioniert. Die Voraussetzungen dafür, dass dieses Anliegen überhaupt sinnvoll ist, lassen sich in der Annahme zusammenfassen, dass die Werkzeuge
der Wissenschaften geeignet sind, die Wirklichkeit zu beschreiben. Letztlich unbeweisbare Teilaspekte dieser Annahme bestehen darin,
dass die Wirklichkeit tatsächlich nach übergeordneten Gesetzmäßigkeiten funktioniert, dass es kausale Abhängigkeiten gibt, dass die
Welt in geeigneten Begriffen deterministisch beschreibbar und quantifizierbar ist und dass aus Beobachtungen der Vergangenheit auf zukünftige Abläufe geschlossen werden darf.
Die klassische Physik ist ein Beispiel einer Wissenschaft, bei der die Begriffs- und Theoriebildung seit langem soweit abgeschlossen erscheint, dass die philosophisch wirkenden Betrachtungen über die Grundannahmen von der eigentlichen Wissenschaft getrennt werden können. Trotzdem kennen wir einige Dankansätze, wie z.B. den Äther als Träger des Raums, die heute als Irrtümer eingestuft werden.
Das Nachdenken über die Grundannahmen gewinnt an Bedeutung, wenn wir naturwissenschaftliche Methoden auf Gebiete mit einem weniger abgeschlossenen und weniger konsistenten Begriffsgebäude anwenden. Aktuell stehen die Lebenswissenschaften und insbesondere die Systembiologie im Fokus der mathematischen Modellierung, also der Beschreibung durch mathematische Methoden. Angesichts der Irrtümer, die selbst der Physik unterlaufen sind, muss man sich hier der Frage stellen, welche Aussagen aus einem Modell - oder vielmehr aus vielen sich teilweise widersprechende Modellen - gezogen werden können und welche Einflüsse bestehende Begriffe haben, die typischerweise
mit anderen Zielsetzungen entworfen wurden.
Noch spannender wird die Frage, wie bestehende Begriffe und vorhandene Zielsetzungen die Ergebnisse der Forschung beeinflussen, in Wissensgebieten, die sich der Validierung durch Experiment weitgehend entziehen, wie dies z.B. in der Evolutiontheorie, der
Klimaforschung oder auch der Didaktik der Fall ist. Es besteht die Gefahr, dass das jeweils erwünschte Ergebnis die Begriffsbildung, die Wichtung der berücksichtigten Mechanismen und die Interpretation der Resultate beeinflusst.“
#