28/05/2026
Die KI-Wissensillusion: Warum wir gerade jetzt echte Urteilskraft brauchen 🤖🧠
Mit seiner neuen Enzyklika zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz warnt Papst Leo XIV. davor, technologischen Fortschritt mit menschlichem Urteilsvermögen gleichzusetzen. KI könne vieles erleichtern – ethische Verantwortung und kritisches Denken jedoch nicht ersetzen.
Damit greift er eine Entwicklung auf, die aktuell auch psychologisch und verhaltensökonomisch zunehmend diskutiert wird.
Ein paar Prompts – und schon liefert KI überzeugende Analysen, Zusammenfassungen oder Argumente.
Das Problem: Wer komplexe Themen an Algorithmen auslagert, überschätzt schnell die eigene Expertise.
Genau hier wird der Dunning-Kruger-Effekt relevant: Menschen mit wenig Wissen neigen häufig dazu, ihre eigene Kompetenz zu überschätzen – gerade weil ihnen das Hintergrundwissen fehlt, um die eigenen Grenzen zu erkennen.
Im KI-Zeitalter kann sich dieser Effekt zusätzlich verstärken. Denn aktuelle Forschung zeigt, dass Menschen überzeugend formulierte KI-Antworten häufig mit tatsächlichem Verständnis verwechseln. Besonders lange oder selbstsicher formulierte Antworten erhöhen das Vertrauen – auch dann, wenn die Qualität der Antwort gar nicht besser ist.
Noch spannender: Neuere Studien zeigen sogar Dunning-Kruger-ähnliche Muster bei KI-Modellen selbst. Schlechter performende Modelle zeigen dabei teilweise die stärkste Überconfidence – also besonders hohe Sicherheit trotz geringerer tatsächlicher Genauigkeit.
Die Debatte um KI ist deshalb nicht nur eine technologische, sondern auch eine psychologische und ethische Frage:
Wie verändert KI unser Denken, unsere Entscheidungen – und unsere Fähigkeit, die eigenen Grenzen realistisch einzuschätzen?
Mit genau solchen Fragen beschäftigt sich auch unser berufsbegleitender Masterstudiengang „Behavioral Ethics, Economics and Psychology (M.A.)“ an der Schnittstelle von Psychologie, Verhaltensökonomik und Ethik.