27/07/2026
Der Carl-Wambach-Preis für die sprachlich beste unter den inhaltlich herausragenden Masterarbeiten des Faches Germanistik geht im Sommersemester 2026 an Davina Lunow. Ausgezeichnet wird ihre Abschlussarbeit mit dem Titel »Radikal Lesen. Die Kulturelle Hegemonieoffensive der ›Neuen Rechten‹« aus dem Bereich der Neueren Deutschen Literaturwissenschaft.
Die Arbeit zeigt, wie Literaturvermittlung von ›neurechten‹ Gruppierungen zunehmend als politisches Handlungsfeld genutzt wird, um extremrechte Staats- und Gesellschaftsvorstellungen zu normalisieren und in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Aufbauend auf einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Rechts-Gramscismus, der den theoretischen Grundstein ›neurechter‹ Kulturarbeit darstellt, werden in der Arbeit Kanonbildung und Lektürepraktiken als zwei wesentliche kulturhegemoniale Strategien untersucht.
Lunow hat sich einen ungewöhnlich breiten literaturwissenschaftlichen Zugang zu ihrem Thema erschlossen, der literaturgeschichtliche, -soziologische und
-theoretische Ansätze verbindet und subtile Textanalysen mit praxeologischen Untersuchungen verzahnt. Mit ihrer Arbeit leistet sie einen wichtigen Beitrag zu einem aktuellen Forschungsfeld und zeigt, welche Rolle eine kritische Literaturwissenschaft spielen kann, um den gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen auch von Seiten der Geistes- und Kulturwissenschaften zu begegnen.
Der Carl-Wambach-Preis wird von der Heinrich Heine-Carl Wambach Stiftung verliehen, die 2014 von Heinrich van de Sandt zur Förderung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Germanistik an der HHU ins Leben gerufen wurde. Benannt sind der Preis und die Stiftung nach einem Vorfahren der Familie van de Sandt, dem Düsseldorfer Geschäftsmann Carl Wambach.