25/04/2026
Innere Nötigung und objektiver Zwang: Zum Verhältnis von Psychoanalyse und Marxismus
Sowohl die Psychoanalyse als auch der Marxismus, werden im aktuellen Wissenschaftsbetrieb stiefmütterlich behandelt und zu handzahmen Begriffen wie „Sozialpsychologie“ oder „Gesellschaftstheorie“ degradiert. Dabei waren sie einmal die wesentlichen Bezugspunkte der kritischen Theorie. Grund dafür war nicht, dass Freud und Marx, wie es zum Beispiel der Freudo-Marxismus der 68er Bewegung versprach, sich einfach so praktisch ergänzen ließen, sondern weil sie beide die Herrschaft eines objektiven Zwangs anprangerten, „der sich doch nur im subjektiven Handeln ausdrücken vermag“ (Krug 2016). Marx zeigte in der Kritik der politischen Ökonomie die Selbstverwertung des Werts auf und beschrieb das kapitale Subjekt als bloßen Ausdruck eines anonymen Zwangs. Freud wiederum kritisierte die seelische Ökonomie und entthronte den vermeintlichen freien Willen jenes bürgerlichen Subjektes als hochgradig von unbewussten – als äußerer Zwang erscheinenden – Triebregungen bestimmt. Beiden gemeinsam ist die tiefe Kränkung, die ihre Kritik am Ideal der bürgerlichen Autonomie auslöste: Das bürgerliche Ich war weder Herr auf dem Markte noch im eigenen Haus.
Das Tutorium setzt sich auf dieser Grundlage mit Freud und Marx auseinander. Dabei soll die „Triebhaftigkeit des Werts und die autonome Psychologie der Verhältnisse“ (Krug 2016, S. 15) im Vordergrund stehen: Marxens (Tausch-) Wert als kapitalistische Hypostasierung von Hegels Geist und Freuds Es, dass, mit Marx gesprochen als „Tradition aller toten Geschlechter wie ein Alp auf dem Gehirn[en] der Lebenden“ lastet. Im Tutorium lesen wir gemeinsam überwiegend abwechselnd Marx und Freud Texte. Es soll nicht darum gehen, Marx oder Freud orthodox herunter zu beten, sondern vielmehr ein Gefühl dafür zu bekommen, was in den jeweiligen Texten alles entdeckt werden kann. Das Tutorium sollte sich sehr gut für den Einstieg in Freud und Marx sowie den Subjektbegriff der kritischen Theorie eignen.
Kontakt: Martha (freudundmarx[at]proton.me)
Termin: Mittwochs, 13:30
Erste Sitzung: 29.04.
Raum: S1|03/10