Geschichte:
Da sie bei den drei Erlanger Lebenscorps Onoldia, Baruthia (vor 1876) und Bavaria (vor 1900) nicht aktiv werden konnten, gründeten die Corpsstudenten Emil Eisenlohr und Benno v. Kügelgen im Sommersemester 1858 die „Vereinigung auswärtiger inaktiver Corps-Studenten des Kösener SC“. Vielleicht war sie identisch oder eine unmittelbare Nachfolgerin der Mitte der 1850er Jahre nachgewiesenen
losen Inaktivenvereinigung Eiskeller. Der erste „Fürstand“ oder Vorsitzende war der Münchener Franke Heinrich Gemeiner.
1863 konstituierte sich die Pfarrerstochter mit Satzung, Wappen und Zirkel offiziell, ohne den Charakter einer Korporation anzustreben. Bei Universitätsfeiern trat sie als eigenständiger Bund auf, saß aber nicht beim Präsidium des Senioren-Convents. Jahrhundert 78 Mitglieder aus 30 Corps. Als Bundeslied sangen die Pfarrerstöchter „O, wie di wo, widi valla, kassala, kasso wi di wo“. Später gründeten in Abkehr vom Lebenscorpsprinzip einige Ansbacher 1873 das Waffencorps Rhenania Erlangen. Die Pfarrerstöchter Zahn und Munzinger traten ihr sogleich bei. Alle anderen wurden MC des ersten Erlanger Waffencorps. Nicht mehr „nötig“, löste sich die Pfarrerstochter auf. Als Rhenania ihrerseits suspendierte, unterstützte die Pfarrerstochter das Corps Franconia II. Unter dem Fürstand Wolf tat sie sich am 6. Dezember 1879 wieder auf. Zumeist MC bei Onoldia, initiierten die Pfarrerstöchter im Einvernehmen mit ihr 1894 die Rekonstitution der Rhenania. Die Alten Herren der Franconia traten zu ihr über. Große Anlässe wurden groß gefeiert, so Anfang Juli 1910, als Erlangen hundert Jahre beim Königreich Bayern war. Stiftungsfest pries Wilhelm Filehne die Pfarrerstochter als Hüterin der alten corpsstudentischen Ideale. Ihre Mitglieder überwanden die Enge ihrer Corps und der Kösener Kreise. So wurde die Pfarrerstochter auch als „Kleiner Kösener“ bezeichnet.
1888/89 hatte die Pfarrerstochter „50–60 Mitglieder, die bei Ochs ihre bescheidenen Mahlzeiten gemeinschaftlich einnahmen. Die meisten arbeiteten fleißig. Es gab aber auch Ausnahmen“ (W. Als Langzeitstudenten hatten manche Pfarrerstöchter 25 bis 30, einige 40 (sorgenfreie) Semester hinter sich; in ordentliche Berufe kamen aber alle. Im Ersten Weltkrieg fielen acht der 36 bis 40 Pfarrerstöchter. Nach Kriegsende fanden sie sich mit zwei Ansbachern, einem Bayreuther und zwei Rhenanen im Hufeisen zusammen und zogen in die „Biegelei“.
1921 trat die Pfarrerstochter mit einer Weihnachtskneipe und den Weinfrühschoppen an Kaisers Geburtstag an die Öffentlichkeit. Am Reichsgründungskommers des Senioren-Convents nahm sie geschlossen teil. Name:
Zur Namensgebung gibt es mehrere Erklärungen. Vermutlich wurde (auch) auf die damals mächtige theologische Fakultät und die vielen lutherischen Theologiestudenten angespielt. Trotz weniger Studenten war die Erlanger Universität 1810 nur deshalb nicht geschlossen worden, weil sie die einzige bayerische Landesuniversität mit einer lutherisch-theologischen Fakultät war. Ein „alter Geistlicher“ schrieb:
„In Hof kamen einstmals die erwachsenen Pfarrerstöchter aus der ganzen Umgebung zu einem "Kränzchen" zusammen. Darüber hatte sich ein wegen seines streitbaren Wesens bekannter Dekan aufgehalten, so daß im nächsten Kränzchen die Vorsitzende in geharnischten Worten die Verdächtigungen zurückwies. ‚Unter uns Pfarrerstöchtern kommt so was nicht vor. Dafür sind wir viel zu gut erzogen.‘ Dieser Ausspruch kam durch einen Pfarrerssohn nach Erlangen und, als sich hier die Vereinigung auswärtiger Corpstudenten bildete, da wählte man den Namen Pfarrerstochter, den schon vorher ein lustiger Theologenstammtisch mehrere Jahre lang geführt hatte.“ – Erlanger Tageblatt, 28. Dezember 1908
1908 nahm der Pfarrverein der protestantischen Landeskirche im Königreich Bayern Anstoß an dem Namen und wandte sich (vergeblich) an den Senat der Universität und an den Magistrat der Stadt. Nach einer Privatklage gegen die „Beleidiger“ verwies das Kultusministerium die Sache nach zwei Jahren zurück an die Universität. Die Entscheidung geriet in Vergessenheit, machte aber das „Lied von der Pfarrerstochter“ von „Karlchen“ in ganz Deutschland bekannt. 1909 wurde es in der „Jugend“ veröffentlicht:
Das Lied von der „Pfarrerstochter“ (nach einer wahren Erlanger Begebenheit)
Es sind die Pfarrerstöchterlein
Der Frauen schönste Sterne! Schon Goethe hatt’ in Sesenheim
Ein Pfafferstöchterl gerne. Drum nannte auch ein Korps-Verein
Sich „Pfarrerstochter“ keck. Als dies vernahm der Pfarrverein,
Bekam er einen Schreck. Juchu, heidi
Bekam er einen Schreck. Das Vaterherz, es war empört,
Es klagt’s dem Magistrate:
„Dieweil solch Name unerhört,
Verbiet’ ihn ohne Gnade!“
Der Magistrat die Nase schnaubt
Und spricht mit Lachen dies’:
„Der holde Name bleibt erlaubt,
Denn er klingt zuckersüß! Juchu, heidi,
Denn er klingt zuckersüß!“
Die Pfarrerstöchter, blond und fein,
Sind allerliebste Göhren. Wie alle hübschen Mägdelein
Soll man sie hoch verehren! O Pfarrverein, du bist mir leid! Du dauerst mich gar sehr! Wenn ihr gar so empfindlich seid,
Dann zeugt halt keine mehr! Juchu, heidi,
Dann zeugt halt keine mehr!