15/02/2017
¡Hola! Mein Name ist Lena und ich bin seit bald zweieinhalb Monaten in
Curanilahue, einem kleinen Städchen in der Region Bío-Bío in Chile.
Für mich war schon immer klar, dass ich nach dem Abi erstmal weg
möchte, raus in die Welt, etwas ganz neues kennelernen. Außerdem wollte
ich unbedingt spanisch lernen. Nachdem mein Plan, als Aupair bei einer
bekannten Familie in der Nähe von Santiago zu arbeiten, leider scheiterte,
wusste ich zunächst nicht weiter. Über eine Ansprechperson in meiner
Schule hörte ich jedoch von Cardenio und Ulli und somit von Prakticando.
Sie haben sich gleich um mein Anliegen für einen Praktikumsplatz
gekümmert und immer meine vielen Fragen beantwortet. Bei Chile sollte
es auf jeden Fall bleiben und weil eine Schule wegen der langen
Sommerferien hierrausfiel, bin ich schließlich in einem Kinderheim
gelandet. Dort leben ca. 20 Mädchen im Alter zwischen 10 und 18 Jahren,
die aus problematischen Familienverhältnissen kommen.
Ich wohne im Haus bei einer unheimlich netten Familie, wo drei
Gernerationen zusammenleben und somit immer etwas los ist. Die beiden
kleinen Mädchen sind 1 und 6 Jahre alt und sorgen tanzend, singend oder
wild durch die Wohnung hüpfend immer wieder für Unterhaltung. Von
vorneherein haben mich alle so herzlich und selbstverständlich
aufgenommen, sodasss sämtliche Bedenken und Ängste gleich verflogen
und ich mich mittlerweile fast selbst wie eine Tochter fühle. Auch das
Spanisch-Sprechen wurde von Tag zu Tag besser, der universal gültige
Spruch “learning by doing” bewährt sich immer wieder aufs Neue. Es gibt
sicher keine bessere Möglichkeit so direkt und intensiv eine neue Kultur
kennenzulernen, als auf so eine Weise einfach komplett einzutauchen in
den Alltag und das Leben im Land selbst! Und auch Ausdrücke des
typischen Chileno, wie “fome”, “bacán” oder “cachai??”, die mir anfangs
echt (gar nicht) spanisch vorkamen, wurden bald automatisch zum eigenen
Wortschatz.
Bei meinem Praktikum war der Start nicht ganz einfach, da ich teilweise
noch Schwierigkeiten hatte mich gut zu verständigen und auch nicht
wirklich wusste, was meine Aufgaben und Arbeitsbereiche sind. Mit
genügend Mut und EIgeninitiative konnte ich aber bald zumindest einige
Projekte mit den Mädchen umsetzen. An Weihnachten haben wir z.B.
Sterne gefaltet oder Plätzchen gebacken, was in Chile so gar nicht üblich
ist. Auch ansonsten war von Collagen gestalten, Akrobatik, Quiche backen
oder Aufstriche machen vieles dabei, wo die Mädchen alle ihren Spaß
hatten. Die Arbeit mit den Tias (so werden die Betreuerinnen genannt) war
nicht so leicht, da ich oft nicht wirkllich mit einbezogen wurde in die
Organisation und auch die Gespräche. Da mir niemand genaueres von der
Struktur des Heims und den Hintergründen erzählt hatte, wusste ich oft
nicht was ich konkret tun kann. Da waren die seltenen aber schönen
Exkursionen an den Fluss oder an den Badesee ein willkommene
Abwechslung. Zum Glück konnte ich mich mit solchen Bedenken auch
immerwieder an Ulli wenden, die mir stets mit Ratschlägen und Tipps
weiterhalf. Auch meiner Familie bin ich sehr dankbar, die immer ein offenes
Ohr hat für alle möglichen Anliegen oder Probleme. An Wochenenden und
freien Tagen haben wir immerwiedre Ausflüge zusammen unternommen;
z.B. waren wir einige Tage in Santiago, oft am Meer oder schönen Seen, in
einer Unterkunft (Refugio) in der Kordillerie und verschiedenen Städten in
der Umgebung, was mich jedesmal aufs Neue begeistert hat. Außerdem
hatte ich die Möglichkeit bei weiteren Freiwilligen-Projekten mitzumachen:
bei einer Ferienfreizeit für Kinder aus ärmeren Verhältnissen, die von den
“CEVAS” organisiert wird (centro de vacaciones solidario), einer
katholischen Jugengruppe. Anfang Februar, zur Zeit der schlimmen
Waldbrände in Chile, war ich mit einer Tochter der Familie und Freunden
einige Tage unterwegs um an verschiedenen Orten mitzuhelfen. Zunächst
haben wir bei Santa Olga einer Familie geholfen ein provisorisches Haus zu
konstruieren. Wir haben Lebensmittel und Wasser abgeladen und sortiert
oder Äste aus dem Wald gezogen um einen erneuten Brand vorzubegen.
Zwei Tage haben wir in einer Auffangstation für Tiere verbracht, die keine
Bleibe mehr hatten oder wegen ihrer Verbrennungen versorgt wurden, wo
wir Hundehütten und Hasenställe gezimmert oder die Hunde spazieren
geführt haben. Das alles waren teilweise ziemlich verrückte Erlebnisse, die
mich aber sehr bereichert haben.
Das Kinderheim war letztendlich vielleicht nicht der perfekte
Praktikumsort, aber alles in allem bin ich sehr glücklich über alle
Erfahrungen, die ich in der Zeit machen konnte und auch keinen Fall
missen möchte. Im März werde ich mir noch einen Monat Zeit nehmen um
durch Chile zu reisen und noch einiges mehr kennenzulernen von diesem
so vielseitigen und spannenden Land, sowohl von seinen Landschaften her,
als auch von den vielen herzlichen Menschen.
Vielen Dank an Ulli und Cardenio, die dies mit Prakticando erst möglich
machten, für die zuverlässige Betreuung und Unterstützung zu jeder Zeit.
Danke auch an meine Familie, die ich so vermissen werde, dass mir gar
nichts anderes übrig bleibt als einfach wieder zu kommen :-) .