02/12/2025
Seit den 1880er Jahren gewann „Sexualität“ in Medizin, Sexualwissenschaft und Religion zunehmend an Bedeutung. Während die Wissens- und Diskursgeschichte der Sexualität bereits seit einiger Zeit Gegenstand historischer Forschung ist, richten Veronika Settele und Lisa Hellriegel ihren Blick auf die „hinter der Norm“ liegende Geschichte sexuellen Verhaltens zwischen Mitte des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts in Westeuropa. Diese zeigt, dass nicht nur als deviant erachtete Sexualitäten historischem Wandel unterlagen, sondern ebenso die vermeintlich normale Heterosexualität der Mehrheitsbevölkerung.
Veronika Settele stellt in ihrem Impulsvortrag „Zur Verchristlichung sexueller Lust im religiösen Feld Deutschlands und Frankreichs, 1870er bis 1930er Jahre“ katholische und protestantische Kleriker und Laien vor, die, in Zusammenarbeit mit staatlichen Akteuren, heterosexuelle Lust zum Gegenstand einer neuartig konkreten, praktischen Glaubenslehre werden ließen – ausgerechnet in jenen Jahrzehnten, die herkömmlicherweise mit Säkularisierung bzw. Laïcité überschrieben wurden.
Lisa Hellriegel untersucht in ihrem Impulsvortrag „Sexualisierte Gewalt vor Gericht in Deutschland und Großbritannien, 1920er bis 1960er Jahre“ Gerichtsverfahren zu Fällen sexualisierter Gewalt zwischen Männern und Frauen über den Schutzalter im Spannungsfeld von Sittlichkeit und Selbstbestimmung. Beide Vorträge zielen auf eine transnationale Wahrnehmungsgeschichte der Sexualität.
🗓️ 09.12.25, 18:15 Uhr
🏫 Rubenowstraße 3, Hörsaal [EG]
🥂 Einlass und Getränke ab 17:30 Uhr
🎤 Moderation: Prof.in Dr. Annelie Ramsbrock