Judaistik/Jüdische Studien in Halle

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Judaistik/Jüdische Studien in Halle Das Seminar für Judaistik / Jüdische Studien an der Uni Halle. (Jewish Studies in Halle)

Shulamis – 150 Jahre jiddisches TheaterWas bindet ein Versprechen, das niemand bezeugt hat? Und wie klingt eine Theaters...
14/10/2026

Shulamis – 150 Jahre jiddisches Theater

Was bindet ein Versprechen, das niemand bezeugt hat? Und wie klingt eine Theatersprache, deren Publikum fast vollständig vernichtet wurde, heute auf einer Bühne in Halle? Zuvor führt die Goldfaden-Forscherin Dr. Melanie Doris Lukas (Göttingen) in Werk und Zeit ein; danach Publikumsgespräch mit dem Ensemble, moderiert von Tal Hever Chybowski.

Eine Produktion von La compagnie Op / MASiF productions– Bibliothèque Medem, Paris. Veranstaltet vom Seminar für Judaistik/Jüdische Studien der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Kooperation mit dem WUK Theater Quartier. Gefördert vom Seminar für Judaistik/Jüdische Studien der Martin-Luther -Universität -Halle-Witenberg.

1876 gründete Abraham Goldfaden im rumänischen Iași die erste professionelle Theatertruppe in jiddischer Sprache – die Geburtsstunde des modernen jiddischen Theaters. 150 Jahre später bringt La compagnie Op / MASiF productions Szenen aus seiner berühmtesten Operette nach Halle: Shulamis (1880...

Fünf Fakten. Jüdisches Fakt.
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29/09/2026

Jenseits von Vergleich und Analogie: Holocaust, Nakba und historische Bildung in der pluralen Gesellschaft

Wie lassen sich unterschiedliche historische Erfahrungen vermitteln, ohne sie miteinander zu vergleichen, zu hierarchisieren oder ihre jeweiligen historischen Kontexte zu verwischen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Seminars. Ausgehend von aktuellen Debatten über Geschichte, Erinnerung und Identität untersucht das Seminar, wie historische Narrative entstehen, welche gesellschaftlichen Funktionen sie erfüllen und welche Herausforderungen sich daraus für die historische Bildung in einer pluralen Gesellschaft ergeben.

Anhand ausgewählter Fallbeispiele – darunter Holocaust, Nakba, Kolonialismus, Antisemitismus sowie Islamophobie und antimuslimischer Rassismus – werden unterschiedliche Formen des Erinnerns, Erzählens und Deutens analysiert. Ziel ist es nicht, diese historischen Erfahrungen miteinander zu vergleichen oder gegeneinander abzuwägen, sondern ihre jeweiligen historischen Kontexte, Eigenlogiken und Erinnerungstraditionen zu verstehen sowie ihre Bedeutung für gegenwärtige Debatten über Geschichte, Erinnerung und gesellschaftliche Vielfalt zu reflektieren.

Besonderes Augenmerk gilt dabei der Frage, wie gesellschaftliche Zugehörigkeiten – etwa Geschlecht, Religion, Migration oder Generation – historische Narrative und Erinnerungskulturen prägen. Das Seminar versteht sich als Raum wissenschaftlicher Auseinandersetzung, in dem unterschiedliche Perspektiven kritisch diskutiert und Möglichkeiten einer historischen Bildungsarbeit entwickelt werden, die Differenz sichtbar macht, Dialog ermöglicht und historisches Urteilen in einer demokratischen und pluralen Gesellschaft fördert.

Hinweis zum Seminarverlauf

Der beigefügte Lehrplan versteht sich als vorläufige Orientierung für den Seminarverlauf. Zu Beginn des Semesters werden die Interessen, Wünsche und thematischen Vorschläge der Studierenden gemeinsam besprochen und – soweit sie sich sinnvoll in das Seminarkonzept einfügen – bei der weiteren Gestaltung des Seminars berücksichtigt.

24/09/2026

Jede und jeder kennt die Erfahrung, dass im Gespräch Einsichten entstehen, die im bloß monologischen Denken nicht zugänglich sind.

Jüdische Denker:innen haben ihre zentralen Werke oft nicht als systematische Abhandlungen komponiert, sondern in Dialogform abgefasst. Das ist mehr als nur eine stilistische Frage. In allen zentralen jüdischen Texten von der Bibel bis zum Midrasch und Talmud ist die Wechselwirkung zwischen Mündlichkeit und Verschriftlichung, zwischen Narrativ und Text, zwischen Buch und diasporischen Kontext zu spüren. Es verwundert nicht, dass auch im jüdischen Denken – der Philosophie und der Kabbala – Erkenntnisse oft im Dialog und im Austausch mit einem Gegenüber entwickelt und niedergeschrieben werden.

Im Zentrum des Seminars stehen jüdische Dialogtexte vom Mittelalter bis zur Moderne, vorwiegend im muslimischen Raum – von Jehuda Halevi, Shem Tov Ibn Falaquera, Jehuda Moscato bis Elija Benamozegh. Dort sind signifikant mehr jüdische Dialogtexte entstanden als im aschkensischen Raum. Was sagt dies über die Umgebung und die jüdische Verankerung in dieser?

Wir lesen ausgewählte Dialoge als Zeugnisse einer bestimmten Wissenspraxis, aber anschließend wird auch die Frage gestellt, inwiefern der Dialog den Text überschreitet und einen sozialen Raum des Denkens eröffnet. Gerade in der Diaspora wird die Begegnung mit dem Anderen zu einer Quelle jüdischer Selbstverständigung: Das Eigene erscheint im Spiegel des Fremden, Zustimmung und Widerspruch werden gleichermaßen produktiv. Nicht zuletzt ist dieses dialogische Denken mit dafür verantwortlich, dass etwa Halevis monumentaler Dialog Kuzari bis zum heutigen Tag „spricht“ und entsprechend kommentiert wird. An ausgewählten Beispielen werden wir uns auch dieser Kommentartradition jüdischer Dialoge widmen.

22/09/2026

Kaum ein anderer Konflikt prägt internationale Politik, öffentliche Debatten und soziale Medien so nachhaltig wie der Nahostkonflikt. Doch wie wurde aus einem regionalen Konflikt ein globales politisches, gesellschaftliches und kulturelles Bezugsthema? Dieser Frage geht die Vorlesung aus historischer Perspektive nach.

Sie zeichnet die Entstehung und Entwicklung des Konflikts vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach und ordnet ihn in seine internationalen Zusammenhänge ein. Behandelt werden unter anderem der christliche Zionismus in Großbritannien und den USA, die Entstehung des politischen Zionismus und des palästinensischen Nationalismus, die britische Mandatsherrschaft, die Staatsgründung Israels, Flucht und Vertreibung, die arabisch-israelischen Kriege sowie die Entwicklungen seit dem 7. Oktober 2023.

Darüber hinaus richtet die Vorlesung den Blick auf die globale Geschichte des Konflikts: Welche Rolle spielten Kolonialismus, Religion, Migration und internationale Politik? Warum wird der Nahostkonflikt in unterschiedlichen Weltregionen so unterschiedlich erinnert und gedeutet? Und weshalb prägt er bis heute Debatten über Geschichte, Identität, Menschenrechte und internationale Ordnung? Ziel der Vorlesung ist es, die historischen Zusammenhänge und globalen Verflechtungen des Nahostkonflikts differenziert zu erschließen und unterschiedliche Perspektiven auf seine Geschichte und Gegenwart nachvollziehbar zu machen.

Hinweis zum Vorlesungsverlauf

Der unter „Dateien“ bereitgestellte Vorlesungsplan versteht sich als tentative Roadmap für den Verlauf der Veranstaltung. Er dient der inhaltlichen Orientierung und kann im Laufe des Semesters an aktuelle Entwicklungen sowie an wissenschaftliche und didaktische Erfordernisse angepasst werden. Einzelne Themen können vertieft, ergänzt oder in ihrer Reihenfolge verändert werden, um neue Forschungsperspektiven und Fragen aus der Diskussion in der Vorlesung aufzugreifen.

18/09/2026

Dieser Kurs ist für Anfänger konzipiert und setzt keine Vorkenntnisse im Jiddischen voraus. Auch Studierende mit früheren Jiddisch-Erfahrungen können teilnehmen, um ihre Grundlagen zu festigen und systematisch auszubauen. Der Schwerpunkt liegt auf dem Erwerb grundlegender sprachlicher Fähigkeiten: Erlernen des hebräischen Alphabets und der jiddischen Orthographie, erste Schritte beim Lesen einfacher jiddischer Texte, Aufbau eines Grundwortschatzes, elementare Konversation auf Jiddisch sowie grundlegendes Hörverstehen. Außerdem werden die Grundlagen der Grammatik des modernen Standardjiddischen vermittelt, erste Übersetzungsfähigkeiten aus dem Jiddischen entwickelt und die Fähigkeit erworben, einfache Texte auf Jiddisch zu verfassen. Darüber hinaus werden die Grundzüge der jiddischen Literaturgeschichte vermittelt. Der Kurs soll den Studierenden erste Kompetenzen in der Sprache vermitteln, die über Jahrhunderte hinweg das jüdische Leben und Kulturschaffen maßgeblich prägte.

Im Unterricht arbeiten wir mit Materialien aus Standard-Lehrbüchern (siehe Bibliographie), ergänzt durch vom Dozenten erstellte Materialien. Insbesondere widmen wir uns einfachen Originaltexten verschiedener Genres (kurze Prosatexte, einfache Gedichte), hören und verstehen einfache Audioaufnahmen von Muttersprachlern und kurze Videoclips. Die kulturelle Dimension wird durch das gemeinsame Erlernen einfacher jiddischer Lieder lebendig vermittelt.

Der Kurs schließt mit einer mündlichen Prüfung ab.

Bibliographie:

- Aptroot, Marion, und Holger Nath, Einführung in die jiddische Sprache und Kultur (Buske, 2016)
- Beinfeld, Solon, Harry Bochner, Comprehensive Yiddish-English Dictionary (Indiana University Press, 2013)
- Schulman, Asya Vaisman; Brown, Jordan; In Eynem: The New Yiddish Textbook in 2 Volumes (White Goat Press, 2020)
- Weinreich, Uriel, College Yiddish, 6th edition (YIVO Institute for Jewish Research, 1999)

16/09/2026

Die Standartwerke zur Geschichte und Literatur des Nahen Ostens werden bis heute fast ausschließlich aus westlicher Perspektive geschrieben, vor allem auch weil ihre Autor:innen oft aschkenasische Jüd*innen sind. So darf man in Werken zur Geschichte des politischen Zionismus im Nahen Osten (Jischuw) selbstverständlich die Namen von Chaim Weizmann, Ze‘ev Jabotinsky oder David Ben-Gurion erwarten; oder entsprechend zur Literatur des Jischuw die Namen von Haim Brenner, Shmuel Agnon oder Hayim Bialik.

Es fehlen jedoch meist die Namen und Stimmen der sephardischen bzw. arabischen Juden und Jüdinnen, deren Familien mitunter schon Jahrhunderte vor der Existenz des Jischuw in der Levante gelebt haben, wie Nissim Malul, Haim Ben-Kiki, Esther Moyal, Jacqueline Kahanoff oder Eliyahu Eliachar. Hierdurch finden die Erfahrungen dieser in engem Kontakt mit der muslimischen Bevölkerung lebenden arabischen Juden bis zum heutigen Tag kaum eine historiographische Berücksichtigung.

Das Seminar möchte die kulturellen Vorstellungen für ein Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen in Palästina und der Levante im Werk einiger der genannten Autor:innen herausarbeiten. Welches Verhältnis zur arabischen Welt hatten sie? Wie wichtig war ihnen die arabische Sprache? Was dachten Sie über die Notwendigkeit eines jüdischen Staates nach dem Modell des politischen Zionismus? Warum war es ihnen wichtig, die osmanische Staatsangehörigkeit zu haben? Welches Verhältnis zu Europa hatten sie? Etc. Einen Schwerpunkt wird die Frage bilden, inwiefern es einen konzeptionell eigenständigen sephardischen Zionismus gab und gibt. Als Quellen werden insbesondere die zu Beginn des letzten Jahrhunderts aufblühende aschkenasische und sephardische Presse (Ha-Herut, Ha-Po'el ha-Tza'ir und Ha-Zvi) heranziehen.

Adresse

Großer Berlin 14
Halle
06108

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