09/10/2026
Wir laden zum Vortrag von PD Dr. Melanie Wasmuth (Kuratorin der Ägyptischen Sammlung der Universität Heidelberg), die sprechen wird über:
"Fremde im Alten Ägypten – wie unsere Brille unsere Lesung der Quellen bestimmt"
am Donnerstag, den 15. Oktober, um 17:15 Uhr
Ägyptologisches Institut
Voßstr. 2, Gebäude 4410
Es ist auch möglich an dem Vortrag online teilzunehmen:
https://heiconf.uni-heidelberg.de/e93a-e6kj-rhpt-ymm9
Abstract:
Der wissenschaftliche Diskurs zu Fremden in Ägypten im 7.–5. Jh. v. Chr. ist geprägt von der Darstellung Herodots, der diese vor allem als Söldner in ägyptischen und persischen Diensten beschreibt. Dies trifft besonders auf die Quellen für Karer und Ionier zu, also diejenigen Personengruppen, die aus dem Umland
seiner Heimatstadt Halikarnossos im äußersten Südwesten Kleinasiens stammen. Trotz zahlreicher Funde karisch-ionischer Totenstelen in Saqqara, die keinen Bezug zu Militär und Krieg aufweisen, hat sich diese Sicht bislang nicht ernstlich verändert. Ein zentraler Grund hierfür liegt im Mangel an Informationen zu den Lebensumständen der Steleninhaber/innen, deren Wohnstätten und Gräber weiterhin unbekannt sind. Hier sind wir auf bewusste oder unbewusste Spekulationen angewiesen. Wie stark diese die Lesung der Stelen beeinflussen, zeigt Frau Wasmuth mithilfe verschiedener analytischer Linsen, die die Steleninhaber unterschiedlich in der Kommune verorten: 1) als selbstverständliche Mitglieder der jeweiligen Gesamtgruppe,
deren Stele ihre Lebensumstände optimal reflektieren (Alterität); 2) als integrierte Mitglieder der Gruppe, die über das persönliche Interesse sowie das finanzielle und soziale Kapital verfügen, ihre individuelle Identität für die Ewigkeit zu inszenieren (Devianz); und 3) als geduldete – oder auch integrierte – Mitglieder mit
begrenztem Zugang zu Ressourcen, die sich mit der am wenigsten schlechten Verewigung zufrieden geben müssen (Othering).