27/04/2021
Die Thematik der gendergerechten Sprache wird aktuell an der Uni Kassel kontrovers diskutiert. Aus diesem Grund haben auch wir als Fachschaft uns dazu entschieden zu dieser Thematik Stellung zu beziehen.
"Stellungnahme der Lehramtsfachschaft zur gendergerechten Sprache
Innerhalb der letzten Jahre ist das Thema der gendergerechten Sprache immer mehr in den Fokus der Diskussionen geraten und so geht selbstverständlich auch an uns als Teil der Gesellschaft dieser Diskurs nicht einfach vorbei. Aus diesem Grund sehen wir es als notwendig an, dass auch wir uns als gewählte Studierendenvertretung an diesem Diskurs beteiligen. Wir, die Lehramtsfachschaft, erachten eine antidiskriminierende, gendergerechte Sprache als wichtig und zeitgemäß.
Thomas Härtel, ehemaliger Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport schreibt in seinem Vorwort zu "Gewalt der Sprache - Sprache der Gewalt" von Prof. Dr. Sybille Krämer: „Sprache ist nicht bloße Kommunikation sondern auch Ausdruck unseres Denkens und Handelns. Sie dient nicht nur der Vermittlung von Informationen, sondern kann positive oder negative Gefühle wecken und übertragen, kann Bewusstsein schaffen und zwischenmenschliche Beziehungsnetze aufbauen. Sprache ist ein wesentlicher Teil unseres Seins.“
Dort setzt unseres Verständnisses nach auch die gendergerechte Sprache an. Niemand darf nur im Stillen mitgedacht werden, sondern es sollten alle explizit mitgenannt werden, um der diversen Realität einer Gesellschaft Rechnung zu tragen und diese abzubilden. Ebenso wie die Realität die Sprache formt, formt auch die Sprache die Realität. Dort, wo durch das generische Maskulinum nicht-männliche Personen höchstens mitgedacht werden, werden nicht-männliche Personen in der gesellschaftlichen Realität ungleich wahrgenommen.
Die Heterogenität einer Gesellschaft wird besonders in der Ausbildung von Lehrkräften intensiv thematisiert und besonders aus diesem Grund sollte hier auch auf die Sprache geachtet werden, um in dieser die Heterogenität zu berücksichtigen.
Das Thema Inklusion ist ebenso besonders für den Umgang mit Schulklassen ein häufig besprochener Studieninhalt des Lehramtsstudiums. Die Inklusion sollte über die Debatten hinaus etabliert und gefördert werden; auch durch Sprache.
Lehrkräfte sind in gewissem Maße in ihrem späteren Beruf in einer Vorbildfunktion für die zukünftigen Generationen tätig. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, sollten sie über Wissen und Fähigkeiten verfügen, um Rassismus, Diskriminierung und Sexismus abzubauen und die Lernenden darüber aufzuklären.
Wir befürworten deshalb einen offen und konstruktiv geführten, nicht von Zwängen bestimmten Diskurs über das Thema, wie es an der Uni üblich ist.
Sprache ist nicht statisch und war es auch nie. Sie ist lebendig und einem ständigen Wandel unterzogen. Damals, heute und morgen. Die Gesellschaft und der lebendige Sprachgebrauch formen die Sprache stetig neu und obendrein formt die Sprache die Gesellschaft mit, die sie darstellt.
Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der alle Menschen unabhängig ihres Geschlechtes, ihrer Religion oder ihrer Herkunft in der Gesellschaft gesehen und akzeptiert werden. Die gendergerechte Sprache ist somit ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu einer Gesellschaft, die frei von jedweder Diskriminierung ist.
Lehramtsfachschaft Universität Kassel"