06/02/2025
Dieses Buch, liebe Leute!
„Führung wagen“ von Brené Brown, wenn ich als Psychologin und Bücherwurm ein Buch zum Thema Führung empfehlen darf, dann ist es dieses Buch.
Es befasst sich mit der menschelnden Seite von Führung – mit der Funktion von Führung, die für Vertrauen, Verbundenheit und starke Beziehungen sorgt. Es ist für diejenigen geschrieben, die nicht aus Angst heraus führen und dem kniffligen Zwischenmenschlichen nicht mit Vermeidungsverhalten entgegen treten möchten.
„Der Führungsstil vieler Vorgesetzter beruht auf dem Gefühl der Verletztheit und Minderwertigkeit, und sie nutzen ihre Machtposition, um ihr mangelndes Selbstwertgefühl auszugleichen.“ Brown plädiert für mehr Verletzlichkeit denn für Selbstschutz, der als Führungsprinzip dem Miteinander und damit Organisationen eher schadet als hilft. Sie erläutert, wie wir den „Panzer“ ablegen und den Umgang mit unangenehmen Emotionen, wie Angst und Scham, lernen können.
Oft stellen sich diese Gefühle unserem engagierten Handeln in den Weg. Als Beispiel greift Brown das Thema Feedback heraus. Wer in seiner Führungsrolle richtig gut werden möchte, braucht Feedback, genauso wie die Teammitglieder. Spannenderweise scheuen sich viele Führungskräfte jedoch davor Feedback zu erhalten und davor Feedback zu geben.
Ehrlichkeit ist mitunter schmerzhaft und der Moment des Feedback-Gesprächs unangenehm. Daher wollen wir diese Gespräche gerne abkürzen und uns der Situation entziehen. Doch bringen uns diese Vermeidungsmanöver vom Ziel weg! Wir entscheiden uns mit ihnen dagegen, die Situation zu verbessern, den Status Quo herauszufordern und nachhaltige Entwicklung und Wachstum anzustoßen.
Bei Brown heißt die Stärke, die hier ins Spiel kommt, Empathie. Empathie ist nicht mit Mitleid zu verwechseln, dass uns in der Regel vom Gegenüber eher trennt, und auch nicht mit „Einlullen“ oder der Idee von „fehlender Grenzsetzung“. Vielmehr ist es das aufrichtige Interesse und die unvoreingenommene Neugier am Gegenüber. Aus beidem entsteht echte Begegnung, Verbundenheit und: Vertrauen.
Brown forscht zu den Themen Scham und Empathie und erläutert uns Lesenden, wie und warum in diesen zwischenmenschlichen Situationen die „Empathiekompetenz“ einen Unterschied macht. Und das Schöne, man kann diese Kompetenz durch Übung lernen. Brown teilt mit uns eine Vielzahl hilfreicher Ideen für konkrete Verhaltensweisen.
Ich weiß, das Buch ist lang und auf der Führungsebene die Zeit knapp, aber Shortcuts helfen hier, glaube ich, nicht weiter. Brené Brown vermittelt eine Haltung und mein Eindruck ist, dass bereits beim Lesen Seite für Seite ein kleines bisschen dieser Haltung auf die Leserin oder den Leser übergeht. Es gibt wenig Bücher, die mir für „das Zwischenmenschliche“ mehr beigebracht haben.
Habt ihr’s schon gelesen? Was sind eure Erfahrungen mit dem Buch?