16/11/2021
In der vergangenen Woche wurden an Gebäuden unserer Hochschule antisemitische Hetzplakate aufgehängt, auf denen Ungeimpfte unter Verwendung nationalsozialistischer Rassestereotypen als Verfolgte dargestellt werden. Als Geschichtsstudent:innen sehen wir uns nicht nur besonders verpflichtet hier Stellung zu beziehen, sondern auch berufen.
Aufgabe von Pädagog:innen im Allgemeinen und Geschichtslehrer:innen im Besonderen ist unter anderem die politische Bildung - vor allen Dingen im Kontext einer Erziehung zur Loyalität zu den Werten des Grundgesetzes. Jegliche Form von Antisemitismus, Holocaust-Leugnung oder Selbst-Viktimisierung als vorgebliches Opfer einer imaginierten Impfdiktatur verhöhnt das millionenfache Sterben in nationalsozialistischen Arbeits- und Vernichtungslagern sowie die Opfer des sogenannten Holocaust mit der Kugel. Millionen europäische Jüd:innen wurden in den Konzentrationslagern sowie an der sogenannten Ostfront und in den besetzten sowjetischen Gebieten durch Gas, Folter, Misshandlung, Hunger und Erschießungskommandos gedemütigt und getötet. Der nationalsozialistische Vernichtungskrieg im Osten hatte die Ausrottung des europäischen Judentums zum Ziel. Jeder Vergleich von Impfgegner:innen mit dem millionenfachen Horror dieser Zeit ist obszön, geschichtsvergessen und amoralisch. Als Geschichtsstudent:innen schämen wir uns für die mangelnde historisch-politische Bildung und den fehlenden menschlichen Anstand, den jene bewiesen haben, die sich nicht zu dumm waren, dieses Plakat an unserer Hochschule aufzuhängen.
Wir fordern alle Kommiliton:innen und Angehörige der PH Ludwigsburg auf, hier eindeutig für die freiheitliche Grundordnung und gegen Antisemitismus, in welcher Form er auch immer einem begegnet, entgegenzutreten. Es liegt an uns und unserem täglichen Verhalten, ob sich Anti-Semit:innen und Rechtsextreme in der Gesellschaft und damit auch an dieser Hochschule durchsetzen oder nicht.