16/04/2025
Wir fahren durch Mossul. Plötzlich wird der Blick aus dem Fenster des Busses durch einen riesigen Erdwall versperrt, der nicht mehr enden will. Es stellt sich heraus, dass dies die Mauer des 7,5 km² großen antiken Ninives, der Hauptstadt des assyrischen Weltreiches, ist. Bis heute findet sich hier die Tradition des Propheten Jona, der dieser Stadt den Untergang vorhersagte. Eine nach ihm genannte Mosche, „Nebi-Junus“, wurde 2014 vom IS gesprengt. Einwohner wurden versklavt, um ein Tunnelnetzwerk von über 4 km Länge zu graben. Warum? Dort befanden sich die Überreste des assyrischen Militärpalastes. Der Verkauf der zu Tage geförderten Raubgüter finanzierte den Krieg des IS. Nach dessen Zerschlagung bliebt den Archäologen nur eine kurze Zeit, um das, was der IS zurückgelassen hat, zu untersuchen. Heute steht die Moschee wieder an ihrem Platz. Wir können nur noch einen Einblick in einen kleinen Bereich der Grabungen bekommen. Danach fahren wir in die Oberstadt, wo die königlichen Paläste und Tempel standen. Die Sonne steht bereits tief am Himmel, lange Schatten und ein unbeschreibliches Zwielicht beleuchten die ebenfalls vom IS zerstörten Überreste von Sanheribs „Palast ohne gleichen“. Es lässt sich nur noch erahnen, wie prächtig er einst gewesen sein muss. Wir wandern über die Ruinenhügel und durch den Nordpalast Assurbanipals. In diesen beiden Palästen wurde die erste Universalbibliothek der Weltgeschichte gefunden. Der wohl berühmteste Text daraus ist das Gilgamesch-Epos. Von hier oben hat man einen Blick über die ganze Stadt. Die alten Mauern Ninives sind so groß, dass sie leicht zwischen den Häusern der Stadt Mossul auszumachen sind. Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, genießen wir die zauberhafte Atmosphäre mit der untergehenden Sonne und dem Ruf der Muezzine.
📝 Johannes Dams
📷 Adam Howe, Johannes Dams