31/10/2015
Arminia und Hercynia sind jetzt ein Corps
Gemeinsame Zukunft mit starker Altherrenschaft
Der große, aus Kösener und Weinheimer Corps bestehende, Münchener SC wurde im vergangenen Sommersemester weiter gestärkt. Es fanden sich die Arminianer und die Hercynianer unter einem gemeinsamen Dach zusammen. Ihre Bünder verschmolzen und sind mit derzeit weit mehr als 300 Corpsbrüdern in einer Gemeinschaft vereint. Damit hält diese zweifellos einen Superlativ, und das nicht nur in der corpsstudentischen Korporationswelt.
Das Corps Arminia nennt sich nun in allen Korrespondenzen „Corps Arminia – Traditionsträger des Corps Hercynia“ und dokumentiert damit eine lebendige Fortführung der Geschichte zweier alter Forstcorps, die nicht nur dieselbe Heimatstadt Aschaffenburg verbindet. Wer von den Gründungsphilistern beider Corps hätte sich dies in der Mitte des 19. Jahrhunderts wohl vorstellen können?
So waren die Gründungsphase der Hercynia und die frühen Jahre in Aschaffenburg doch davon geprägt, dass Hercynia sich von den dort bereits etablierten Corps Arminia und Hubertia unterscheiden sollte. Insbesondere wollten die Hercynianer ihren neuen Mitgliedern einen „Fuchsenterror“ ersparen und diesen auf Augenhöhe begegnen, was sich in ihrem dreifarbigen Fuchsenband auch äußerlich niederschlug. Die Beziehungen zwischen Hercynia und Arminia waren in der sogenannten Ascheberger Zeit höchst wechselhaft. Zumeist fanden sich zwei der nunmehr drei Corps im Aschaffenburger SC oft zu (Zweck-)Bündnissen zusammen, um ihre jeweiligen Positionen durchzusetzen und infolge ein „in Ungnade gefallenes“ Corps aus dem SC zu verbannen. Legendär war auch die stets gute Beziehung der Corpsstudenten zu den Bürgern Aschaffenburgs, die jene in Anspielung auf deren Pekeschen (mithin osteuropäischen Ursprungs) bzw. Kneipjacken liebevoll und ein wenig spöttisch zugleich „Forst Polacken“ nannten.
Aber 1910 hieß es Abschiednehmen, denn der Lehrbetrieb wurde nach München verlegt. Damalige Überlegungen, die Umsiedelung der drei Corps mit einer Fusion einhergehen zu lassen, erhielten von den jeweiligen Conventen eine Absage, und man ging weiter getrennte Wege. Ein historisches Schicksal aber war allen gemeinsam im Aushalten und Durchstehen der Weltkriege; dann die Gründung des Münchner Seniorenconventes, die die Corps aus KSCV und WSC bereits 1951 auf dem Haus der Arminia vollzogen. Im Zuge der 68er-Revolte sollten dann die schwierigen Zeiten der Nachwuchsgewinnung in den 1970er Jahren folgen.
Zurück zu den nahen Entwicklungen der corpsstudentischen Gegenwart: Anfang 2013 erklärte das Corps Hercynia die Suspension des Aktivenbetriebes, aber aufgrund sehr guter persönlicher Verhältnisse zwischen zahlreichen Arminianern und Hercyianern, und nicht zuletzt durch das Drängen der aktiven Arminianer, wurde in deren Philisterium die Möglichkeit einer gemeinsamen Zukunft erörtert. Erste Annäherungsgespräche beider Philistervorstände zeigten, dass man durchaus „auf einer Wellenlänge“ lag. Ein Resultat aus den folgenden freundschaftlichen Verhandlungen war am 16. November 2013 der feierliche Umzug der Hercynia aus dem Drei-Farben-Haus am Platzl 5 in das Corpshaus der Arminia in der Schönfeldstraße 22.
Die knapp zweijährige Zeit des Zusammenwohnens wurde eine wichtige Kennenlernphase. Ein Highlight war sicherlich das erste gemeinsame Stiftungsfest im Jahre 2014, bei dem die ersten sechs Hercynianer das Corpsburschenband der Arminia erhielten. Am 12. Juni 2015 feierten dann nahezu 200 Arminianer und Hercynianer mit vielen Gästen einen Kommers anlässlich des 170. Stiftungsfestes der Arminia und des 168. Stiftungsfestes der Hercynia.
Wohlwissend, dass abhängig von den Entscheidungen der Gremien am Folgetag dies entweder die letzte gemeinsame Veranstaltung auf absehbare Zeit oder der letzte Kommers der Hercynia als eigenständiges Corps sein würde, wich eine gewisse Wehmut bei Hercynia bei diesem corpshistorischen Moment schnell der Freude auf eine bessere Zukunft. Beide Corps entschieden sich am 13. Juni 2015 in getrennten Conventen für den gemeinsamen Weg mit überwältigender Mehrheit ohne Gegenstimme.
Beim anschließenden ersten gemeinsamen Philisterconvent wurde, nach Unterzeichnung des Verschmelzungs- und Traditionsvertrages durch die Philistervorsitzenden Dr. Bernhard Höhne Arminiae und Wolfgang Kräußlich Hercyniae, den anwesenden Hercynianern feierlich das grün-gold-weiße Band der Arminia überreicht. Alle anderen bekommen es bei passender Veranstaltung:
Ein Vivat, Crescat, Floreat der starken gemeinsamen Arminia!
Thomas Kadner VI Arminiae (FM, FM)
Artikel aus dem CorpsMagazin, Ausgabe 3/2015 Seite 32
http://www.die-corps.de/pageflip/CorpsMagazin_2015-3/Corps_Magazin.pdf