03/07/2026
**Neue Folge online!**
In der aktuellen Folge des Podcasts Jüdische Geschichte kompakt ist der Autor und promovierte Jurist Steven Less, der 1953 in New Jersey geboren wurde und heute in Heidelberg lebt, zu Gast. Er hat ein persönliches Buch über die Geschichte seines Vaters geschrieben und gibt darin Einblicke in eine Vater-Sohn-Beziehung, die von großem Vertrauen und Zuneigung, aber auch von Konflikten und einem drohenden Kontaktabbruch geprägt war.
Sein Vater, der Künstler John Hans Less, konnte als Sechzehnjähriger aus Berlin vor dem Nationalsozialismus fliehen. Zusammen mit seiner Familie gelangte er im September 1940 nach Shanghai. Die chinesische Hafenstadt war damals einer der letzten Orte, an denen Jüdinnen und Juden aus Europa Zuflucht finden konnten. Auf die Bedeutung der Stadt, in der John Hans Less zusammen mit rund 20.000 anderen jüdischen Geflüchteten inmitten von Armut, Enge, subtropischem Klima und großer Unsicherheit lebte, kommt Steven Less ebenso zu sprechen wie auf die Kunst seines Vaters.
Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte John Hans Less in die USA, wo er später begann, sich künstlerisch mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen und zahlreiche Werke in Erinnerung an Shanghai zu schaffen.
Im Rahmen dieser Aufarbeitung entstanden unter anderem die im obigen Bild zu sehenden Werke Shanghaier Wahrzeichen: Boot auf dem Whangpoo (Huangpu) mit der Garden Bridge und dem Broadway Mansions Hotel im Hintergrund (Öl auf Leinwand, ca. 2003) sowie Die Fluchtroute der Familie Less (1998). Wir danken Steven Less nicht nur für die Bereitstellung der Bilder, sondern auch für das Gespräch, das den Zuhörenden ermöglicht, sich sowohl auditiv als auch visuell in die Fluchterfahrung seines Vaters einzufühlen.
Der Podcast-Kanal ist ein Kooperationsprojekt des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg und des Moses Mendelssohn Zentrums in Potsdam.