14/10/2026
„Natürlich hatte ich große Angst zu töten. Doch manchmal muss man Dinge tun, die man freiwillig nicht tun würde“, erinnert sich der jüdische Kämpfer Yehuda Lerner an den Aufstand im Vernichtungslager Sobibór 1943. „Wir wussten, dass wir dort keine Wahl hatten. Man würde uns töten. Doch wir wollten nicht wie Schafe getötet werden. Wir wollten wie Menschen sterben.“
Am 14. Oktober 1943 wagten jüdische Gefangene unter der Leitung von Alexander Petscherski und Leon Feldhendler die Revolte in Sobibór im Südosten des besetzten Polens. Unter den Häftlingen war zuvor das Gerücht umgegangen, die Tötungsanstalt werde abgerissen und alle Insassen als Mitwisser ermordet.
Nach dem Aufstand im Vernichtungslager Treblinka am 2. August 1943 war in Sobibór der zweite erfolgreiche Widerstand in einem Vernichtungslager. Mehr als 300 Aufständische töteten elf SS-Wachleute und brachen aus dem L***r aus. Viele starben auf der Flucht im Kugelhagel der Wachleute oder im Minenfeld. Rund 200 Widerständler erreichten die Wälder, nur 47 erlebten das Kriegsende.
Die übrigen wurden Opfer der Menschenjagd, welche die SS nach der Massenflucht organisierte. Alle im L***r verbliebenen Häftlinge – einige kämpften die ganze Nacht mit Gewehren und Äxten weiter – wurden erschossen. Anschließend wurde Sobibór eingeebnet.
Wie viele Menschen im 1942 erbauten Vernichtungslager Sobibór ermordet wurden, ist nicht bekannt, da die schriftlichen Unterlagen vernichtet wurden. Schätzungen gehen von 150.000 bis 250.000 Opfern aus. Die meisten wurden in Gaskammern mit Kohlenmonoxid erstickt.
Die Geschehnisse in Sobibór wurden in Deutschland erst zwei Jahrzehnte später breiter bekannt. Überlebende reisten aus aller Welt nach Deutschland und sagten vor Gericht aus. Der ehemalige Kommandant von Treblinka und Sobibór, Franz Stangl, wurde 1970 vom Landgericht Düsseldorf wegen gemeinschaftlichen Mordes an mindestens 400.000 Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt.
Dank des Aufstands konnten Überlebende Zeugnis über die Verbrechen in Sobibór ablegen. Und sie zeigten der Welt: Juden waren nicht wehrlos. Sie konnten und sie wollten kämpfen.