30/06/2026
Arbeit in den 1950ern
Die Sprecherin, geboren 1932, aus dem Kreis Filderstadt erzählt 1955 über ihren Alltag, ihre Aufgaben in der Familie und die Arbeit als Näherin. Sie kümmert sich um ihren Bruder, ihren Mann und ihre Mutter, bevor sie zur Arbeit geht. Auch den Acker der Familie bestellt sie und erzählt von den verschiedenen Arten der Bodenbearbeitung. Für sie gehört das alles selbstverständlich zum Alltag. Gerade deshalb ist dieser besonders und steht in der Forschung der Empirischen Kulturwissenschaft im Fokus.
Auffällig ist: wenn das ganze Transkript des Interviews gelesen wird, werden Fragen zur Arbeit ausführlich und detailreich beantwortet. Als jedoch der Interviewer nach der Freizeitgestaltung fragt, gerät das Gespräch ins Stocken. Die Antworten werden kürzer und es muss wiederholt nachgefragt werden, ob sie sich vielleicht noch an mehr erinnert.
Das zeigt deutlich: Dem Kino- oder Theaterbesuch, über den an dieser Stelle gesprochen wird, misst sie nicht so viel Bedeutung bei. Aber als die Sprache auf die Motorradtouren kommt, welche sie mit ihrem Mann unternimmt, erzählt sie von Ausflugszielen, Erlebtem und Gesehenem. Gerade diese unterschiedlichen Bedeutungszuschreibungen und die Art, wie Menschen ihre Erfahrungen erzählerisch einordnen und sich darin positionieren, stehen im Zentrum der Erzählforschung der Empirischen Kulturwissenschaft.
Wenn euch das Thema Arbeit und Freizeit im Arno-Ruoff-Archiv interessiert und ihr noch mehr dazu hören wollt, empfehlen wir die Folge 4: Arbeit und Freizeit des Podcasts „Baden-Württemberg erzählt. Kulturwissenschaft und Sprachwissenschaft im Dialog“, welcher von der Arbeitsstelle „Sprache in Südwestdeutschland“ veröffentlicht wird.
Auszug aus dem Transkript:
„Also, morgens um dreiviertel sechs muss ich aufstehen. (Da)nach muss ich Kaffee machen, anziehen zwischen hinein, (da)nach muss ich meinen Mann wecken und (da)nach meinen Bruder. (Da)nach, glücklich sind die vielleicht in einer Viertelstunde (da)nach auf. Und (da)nach muss ich das Vesper richten für alle beide. (Da)nach trinken sie Kaffee und (da)nach muss ich […].“