01/09/2021
Webinare und „Cognitive Overload“
Unser Arbeitsspeicher im Gehirn hat eine sehr begrenzte Kapazität. Ist das maximale Kapazitätsvolumen erreicht, kann keine Informationsaufnahme mehr erfolgen und wir sprechen von einem cognitive Overload.
Jetzt sitzen Sie in z.B. in einem ZOOM Online-Seminar. Auf dem Bildschim sehen Sie die bewegten Bilder von 25 Teilnehmern inklusive sich selbst. Wenn sie nun immer den Gesten der Anderen folgen und das Stressgefühl beim Anblick ihrer eigenen Gesten verarbeiten müssen dann ist das genauso als würde Ihnen in einem persönlichen Gespräch ständig jemand mit einem Spiegel folgen, in dem Sie sich immer sehen können.
Nun kommt dazu, dass in den meisten der sogenannten Onlineseminaren aus-schließlich Wissensinput geliefert wird. Da sind die Kapazitäten unseres Kurz-zeitgedächtnisses eh schon auf maximal 20 Minuten begrenzt. Im ZOOM Meeting
reduziert sich die Zeit durch o.g. Gründe nocheinmal, sodass wir davon ausgehen können derartige ZOOM-Veranstaltungen mehr der verstärkten Ermüdung als der sinnvollen Lehre dienen.
Als Andragoge mit über 20 Jahren Erfahrung im E-Learning habe ich immer den Standpunkt vertreten, dass wir virtuelles Lernen niemals über einen Kamm scheren dürfen. Gerade in Zeiten der Pandemie wurden von unerfahrenen Trainern plötzlich
aus der Not heraus entwickelt, die,analog zu Präsenzseminaren, versucht haben virtuellen Wissensinput und Wissenserwerb über einen ganzen Tag zu gestalten.
Das da nicht viel herauskommt, hatte ich seinerzeit prophezeit, heute wird es von der Universität Standford, insbesondere durch Prof. Bailenson, bestätigt. Mit anderen Worten, es wurde viel Geld durch die Röhre gejagt und das Image von E-Learning wurde stark geschädigt.
E-Learning und Blended-Learning bedarf einer Vielzahl von Kompetenzen, deren Umsetzung von großer Bedeutung ist. Persönlich vertrete ich die Auffassung, dass durch gutes Blended-Learning bessere Weiterbildungsergebnisse erreicht werden können, als in reinen Präsenzseminaren. Dazu lassen sich Kosten einsparen und der
zeitliche Aufwand verringern. Ihre ZOOM-Webinare und -Meetings können Sie schon deutlich verbessern, wenn Sie die folgenden beiden Lösungen beachten.
1. Wenn Sie mit Bildern und Videos arbeiten, dann stellen Sie auf Standbilder, damit sie nicht durch Ihre eigenen und die Gesten der Anderen erstickt werden, die nach Prof. Bailenson zwar wahrnehmungsrealistisch aber sozial bedeutungslos sind.
2. Wenn Ihre Online-Veranstaltungen Vorträge, die dem Wissensinput dienen erhalten, dann sollten diese niemals länger als 20 Minuten dauern, um auch hier einen „cognitive Overload“ zu verhindern. Nach 20 Minuten sollte dann ein Wissensverarbeitungsschritt folgen, der das eingebrachte Wissen besser verknüpft und damit sichert.
Wissensverarbeitung kann z.B.durch Diskussinsrunden, die durch Fragen eingeleitet werden oder durch Übungen erfolgen. Wissensverarbeitungsschritte sollten minimal 20 Minuten dauern.
Wenn Sie diese beiden Lösungsvorschläge beachten, können Sie die Qualität Ihrer Online-Veranstaltungen schon deutlich verbessern. Nehmen sie in einem ersten Schritt an ein paar von den vielen kostenlosen Webinaren teil, die im Netz angeboten
werden und achten Sie einmal darauf wie oft die hier genannten beiden sehr einfachen Regeln eingehalten werden.
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